Oppo Find 5 im Test: High-End-Androide mit Nexus-Flair

Test9. Juli 2013, 11:02
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Ideale Basis für Experimentierfreudige, hochwertige Verarbeitung, flotte Hardware - Schwächen bei der Akkulaufzeit

Praktisch alle neueren High-End-Smartphones setzen auf aktuelle Snapdragon-Chips von Qualcomm - das HTC One, Sonys Xperia Z, Samsungs Galaxy S4 und auch das Nexus 4 von LG. In China schon seit Februar verfügbar, ist nun ein weiteres Gerät mittlerweile offiziell auf dem amerikanischen und europäischen Markt angekommen: das Oppo Find 5. Der WebStandard hat das Android-Smartphone ausführlich getestet.

In Europa noch weitgehend unbekannt, hat sich der chinesische Hersteller Oppo in den USA bereits einen Namen für hochwertiges TV-Zubehör gemacht und verkauft dort beispielsweise Blu-ray-Player. Im Vergleich dazu ist die Smartphone-Abteilung des Konzerns noch relativ jung, beim Oppo Find 5 handelt es sich um das erste Gerät der Firma, das das High-End-Segment anvisiert.

Schön präsentiert und stabil verarbeitet

Und Oppo hat sich in Sachen Zielgruppenmarketing auch keine Blöße gegeben. Das Phone kommt in einer gediegenen Box mit Magnetverschluss. Enthalten sind Ladegerät (mit falschem Stecker, ein passender wurde wenige Tage später nachgeliefert), Headset, zwei NFC-Sticker, Kurzanleitung, ein "Pin" für die microSIM-Schublade und natürlich das Find 5 selbst.

Das Gerät ist mit 141,8 x 68,8 x 8,9 Millimeter eine Spur lang bemessen, was auch an dem recht langen "Unterbau" unter den kapazitiven Steuertasten liegt. Solide wirkender Kunststoff ziert das Case, die Front ist teilweise verglast. In puncto Verarbeitung macht das Oppo Find 5 einen hochwertigen, widerstandsfähigen Eindruck. Einzig etwas rauer könnte das Material auf der Rückseite sein, tendenziell kann das Gerät bei unvorsichtiger Handhabe leicht aus der Hand schlittern.

Gutes Display

Vorne prangt ein vom Unternehmen JDI hergestelltes Full-HD-Display mit einer Diagonale von fünf Zoll, das angenehme, wenn auch fallweise etwas überzeichnete Farbdarstellung bietet. Gorilla-Glass-2-Technologie sorgt für Kratzfestigkeit. Das Display erreicht zwar subjektiv gesehen nicht ganz das hohe Niveau des HTC One oder Galaxy S4, muss sich aber vor dem Xperia Z nicht verstecken.

Die rückseitige Kamera liefert eine Auflösung von 13 Megapixel und einen Dual-LED-Blitz, vorne stehen 2 Megapixel zur Verfügung. An der Oberseite des Geräts findet sich der 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss, an der Unterseite der microUSB-Slot. Etwas ungewohnt ist, dass sich der Ein/Aus-Schalter links und nicht rechts befindet, wo dafür die Lautstärketasten sind.

Flotte Hardware

Unter dem Gehäuse findet sich die Snapdragon-APQ8064-Plattform, die auch das Nexus 4 nutzt. Die "Krait"-Quad-Core-CPU taktet mit 1,5 GHz und greift auf 2 GB RAM zu. Je nach Modell werden 16 oder 32 GB Speicher geboten.

Konnektivitätsseitig liefert das Find 5 neben WLAN, Bluetooth und NFC mobiles Breitband via HSPA+. Der 4G-Standard LTE wird allerdings nicht unterstützt. Der Akku liefert 2.500 mAh und ist fix verbaut. Einen microSD-Slot gibt es nicht.

Die offizielle Firmware läuft aktuell mit Android 4.1. Ein Android-4.2-Update ist bereits in Arbeit und soll im August erscheinen. Derweil liefert Oppo alle paar Wochen Aktualisierungen mit neuen Features und Bugfixes, Mutige können in kürzeren Intervallen mit Beta-Releases experimentieren.

Angepasstes Interface

Die voraufgespielte Android-Version ist in einigen Punkten stark modifiziert. Für viele oft verwendete Apps, für die es noch keine Icons für 1080p gibt, bringt das System eigene mit. Andere Bereiche wurden wiederum komplett überarbeitet.

Das Einstellungsmenü besteht statt einer langen Liste nun aus mehreren, die in verschiedene Bereiche sortiert sind, zwischen denen einfach per Wischbewegung gewechselt werden kann. Der Task-Manager erlaubt das "Sperren" einzelner laufender Apps, ebenfalls per Swipe. Das dient dazu, sie vom Cleanup auszunehmen, mit dem man alle nicht systemrelevanten Programme auf einmal schließen kann. Das Ausschaltmenü erlaubt wiederum Zugriff auf voreingestellte Profile.

Der App-Drawer hingegen erinnert etwas an Samsungs Touchwiz. Programme können darin frei sortiert werden. Herauszuheben ist auch die Integration einer Blacklist zur Blockierung von Anrufen bestimmter Telefonnummern. Auch ein paar Gestensteuerungs-Funktionen, etwa zur einfacheren Annahme von Anrufen, wenn das Gerät im Auto genutzt wird, wurden implementiert.

Interessante Erweiterungen

Manche der Abweichungen von "Vanilla"-Android sind zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, viele machen aber durchaus Sinn und erleichtern die Bedienung. Insbesondere die Umsetzung des Task-Managers wäre eine willkommene Ergänzung für das Originalsystem. Im laufenden Betrieb sind keine Performanceprobleme zu beobachten. Die Software scheint die Hardware gut auszureizen und läuft absolut stabil. Die vorinstallierte Version bot keine deutsche Lokalisierung, eine eingedeutschte Firmware lässt sich aber in den Oppo-Foren auftreiben.

Offen für Entwickler

Dass es Oppo gelungen ist, sich mit dem Find 5 einen Namen zu machen, liegt auch an der Entwicklerpolitik des Konzerns. Der Bootloader ist offen, der Quellcode des Kernels liegt frei. Mit einem entsprechenden Boot-Image und wenigen Fastboot-Kommandos ist das Telefon kinderleicht zu rooten.

Zum leichten Aufspielen von Custom Firmware und anderen Kernels lassen sich auch alternative Recoverys einfach installieren. Von CWM und TWRP gibt es bereits angepasste Versionen.

Offizieller CyanogenMod-Support

Dank der Offenheit wird das Find 5 offiziell vom CyanogenMod-Projekt unterstützt. Die aktuelle auf Android 4.2 basierende Version 10.1 hat derzeit noch Nightly-Status. Die Fassung vom 2. Juli lief stabil und flüssig, zeigte aber leichte Performance-Einbußen im Vergleich mit der Original-Firmware.

In den Oppo-Foren als auch in Entwicklercommunitys wie den XDA-Developers lassen sich weitere Custom Firmwares und Kernels aufstöbern. Für die vorinstallierte Firmware gibt es mittlerweile eine eigene Fassung des "Faux"-Kernels, der erweiterten Zugriff auf die CPU-Einstellungen mitbringt (Stichwort: Undervolting).

Schwächelnde Akkulaufzeit

Oppo macht keine offiziellen Angaben zu Sprech- und Standby-Zeit des Akkus. Mit der vorinstallierten Firmware kommt man bei überdurchschnittlicher Nutzung relativ gut über den Tag, greift man oft auf WLAN, GPS und mobiles Internet gleichzeitig zu, geht der Akku allerdings wesentlich schneller in die Knie, wenngleich Oppo die zum Release sehr problematische Situation mit softwareseitigen Nachbesserungen etwas entschärft hat.

Spielt man mit dem Gerät Googles energiehungriges Augmented-Reality-Game "Ingress", hält das Find rund 2,5 Stunden im Dauerbetrieb durch. Als absoluter Batteriefresser, selbst bei niedriger Helligkeitseinstellung, erweist sich das Display. Hängt man das Find 5 an einen externen Akku, vermag dieser den Ladestand des Akkus nur zu erhöhen, wenn der Bildschirm abgedreht ist.

Im Betrieb mit der verwendeten CyanogenMod-Nightly fiel das Ergebnis etwas schlechter aus als mit dem Originalsystem. Dazu gab es bei der (noch im Entwicklungsstadium befindlichen) Firmware Probleme mit zu leiser Audioausgabe über Lautsprecher und Kopfhörer.

Benchmarks

Bei den Benchmarks schlägt sich das Smartphone ordentlich. Beim Allround-Benchmark AnTuTu knackt das Find 5 die 20.000er-Marke (15.300 mit CyanogenMod 10.1) und liegt klar vor dem Nexus 4 und etwas unter dem Galaxy S4. Rund 1.700 Punkte erzielt es beim HTML5-Browserbenchmark Vellamo und liegt damit ebenfalls vor dem Nexus 4 und circa auf dem Niveau des Galaxy S3.

Im 3D-Testdurchlauf mit Epic Citadel war die Darstellung mit durchschnittlich 55 Bildern pro Sekunde durchgehend flüssig und auf konstant hohem Niveau.

Gute Bilder, puristische Kamera-App

Die Kameras des Find 5 enttäuschen ebenfalls nicht und lieferten flotte und meist schöne Schnappschüsse mit satten Farben und einer für Smartphones guten Detailwiedergabe. Wie viele andere Sensoren schwankt die Qualität mit dem verfügbaren Echtlichtanteil. Von einem Burstmodus abgesehen hält sich die vorinstallierte Kamera-App mit Zusatzfeatures vornehm zurück.

(Video: Full-HD-Aufnahme, erstellt mit dem Oppo Find 5.)

Audio

Zumindest mit der Original-Firmware gibt es an der Audioqualität nichts auszusetzen. Gesprächspartner sind gut verständlich, und auch die eigene Stimme wird vom Gegenüber gut wahrgenommen. Die Lautsprecher des Find 5 gehören zu den besseren ihrer Klasse, und auch bei der Wiedergabe über Kopfhörer gibt es nichts zu bemängeln. Die mitgelieferten Ohrhörer wurden laut Oppo gemeinsam mit dem Soundtechnik-Unternehmen Dirac entwickelt. Sie liefern passablen, aber keinen überragenden Klang und könnten bessere Materialqualität aufweisen.

Fazit

Summa summarum liefert Oppo mit dem Find 5 ein spannendes Smartphone, das mit hochwertiger Verarbeitung, flotter Hardware und offenem System glänzt. Unter den aktuellen Geräten mit Full-HD-Display ist das Find auch angesichts seines Preises eine absolut überlegenswerte Alternative. 399 Euro verlangt Oppo in Europa für die 16-GB-Variante, 429 Euro kostet die 32-GB-Fassung, verkauft wird nur über den Webshop.

Der größte Schwachpunkt des Telefons ist die Akkulaufzeit, die vor allem dem hungrigen Display geschuldet sein dürfte. Dass der Akku nicht ohne entsprechende Bastelei gewechselt werden kann und auch keine Speichererweiterung via microSD möglich ist, gilt es ebenso zu berücksichtigen. Dennoch darf man Oppos Debüt im High-End-Segment insgesamt als sehr gelungen bezeichnen.

Ausblick

Das Find 5 soll bald ein Hardware-Update bekommen und künftig mit der Snapdragon-600-Plattform ausgestattet werden, wie man sie auch in der weiter verbreiteten Variante des Galaxy S4 findet. Bestätigt ist dies momentan aber nur für den chinesischen Markt. Der Hersteller soll außerdem eifrig an einem Nachfolger arbeiten, der unter dem Namen Find 7 im Herbst erscheinen könnte. (Georg Pichler, derStandard.at, 9.7.2013)


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion vom Hersteller als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

  • Das Oppo Find 5 kam im Februar auf den Markt und ist seit wenigen Wochen in Europa zu haben.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Oppo Find 5 kam im Februar auf den Markt und ist seit wenigen Wochen in Europa zu haben.

  • Das Gerät kommt in einer schicken Box mit Magnetverschluss.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Gerät kommt in einer schicken Box mit Magnetverschluss.

  • Diese beinhaltet unter anderem zwei NFC-Sticker und einen "Pin" für die microSIM-Lade im Oppo-Design.
    foto: derstandard.at/pichler

    Diese beinhaltet unter anderem zwei NFC-Sticker und einen "Pin" für die microSIM-Lade im Oppo-Design.

  • Das Gerät ist solide verarbeitet, der Akku lässt sich allerdings nicht austauschen. Auch ein microSD-Slot fehlt.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Gerät ist solide verarbeitet, der Akku lässt sich allerdings nicht austauschen. Auch ein microSD-Slot fehlt.

  • Das Find 5 lässt sich recht mühelos rooten. Auch die Installation von Custom ROMs ist für geübte Nutzer keine Hexerei. Das Smartphone wird offiziell vom CyanogenMod-Projekt unterstützt. Der Bootloader ist offen, der Kernelquellcode liegt frei.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Find 5 lässt sich recht mühelos rooten. Auch die Installation von Custom ROMs ist für geübte Nutzer keine Hexerei. Das Smartphone wird offiziell vom CyanogenMod-Projekt unterstützt. Der Bootloader ist offen, der Kernelquellcode liegt frei.

  • Das Interface der Oppo-Firmware ist stark angepasst, bringt aber auch eine Reihe interessanter Funktionen mit.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Interface der Oppo-Firmware ist stark angepasst, bringt aber auch eine Reihe interessanter Funktionen mit.

  • Das Oppo Find 5 ist ein guter Begleiter für Ingress, der ohne externen Akku 2 bis 2,5 Stunden durchhält.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Oppo Find 5 ist ein guter Begleiter für Ingress, der ohne externen Akku 2 bis 2,5 Stunden durchhält.

  • Testaufnahme: Untertags.
    foto: derstandard.at/pichler

    Testaufnahme: Untertags.

  • Testaufnahme: Nachts.
    foto: derstandard.at/pichler

    Testaufnahme: Nachts.

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