Bürger sammelten Visionen für Zukunft von Hohenems

7. Juli 2013, 18:06
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In Hohenems werden die Visionen der Bevölkerung gesammelt - Unterdessen herrscht Streit um eine neue Wohnanlage

Hohenems - Organisierte Bürgerbeteiligung ist bei Vorarlberger Politikern trendy, Bürgerinitiativen sind bekanntlich weniger beliebt. Das zeigt sich aktuell in Hohenems. Die kleinste und jüngste Stadt Vorarlbergs soll sich entwickeln, wünscht sich die Kommunalpolitik. Wie die Stadt in Zukunft ausschauen soll, darüber haben Bürgerinnen und Bürger in (von der Stadt finanzierten) Zukunftswerkstätten nachgedacht.

Zu den vier Kernfeldern Soziales, Kultur, Ökologie und Wirtschaft gab es viele spezielle Vorschläge: Florierende, kleine Geschäfte hätte die Bevölkerung gerne, weniger Verkehr, mehr Kontakt untereinander und "liebevolle Umgangsweisen" - so steht es im Ergebnisposter der "Vision Hohenems". Auch eine Rutsche vom Schlossberg ins Zentrum wäre gefragt (zumindest von den jüngsten Visionären) oder Zärtlichkeit und mehr Bildungsangebote. Am kommenden Dienstag wird sich die Stadtvertretung das Visionspaket anschauen.

Überdimensionierte Wohnanlage?

Weniger Visionen, sondern konkrete Anliegen hat eine andere Bürgergruppe. Das "Personenkomitee für eine angepasste Emsbachbebauung", zu dem auch prominente Bürger wie der deutsche Manager Clemens Graf Waldburg-Zeil oder Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums, gehören, macht sich Sorgen wegen eines geplanten Bauprojekts in der Altstadt. Am Emsbach, unmittelbar angrenzend an das historische Jüdische Viertel, soll auf städtischem und privatem Grund eine, so die Bürger, "überdimensionierte" Wohnanlage entstehen. Man ist nicht komplett gegen die Verbauung, sondern wünscht sich eine "architektonisch hochwertige Lösung".

Das Personenkomitee fordert nun Workshops mit Bürgerbeteiligung und professioneller Begleitung von Städtebauexperten. Varianten zur aktuellen Planung sollten ohne Zeitdruck entwickelt werden, die Stadtgremien sollten dann ihre städtebaulichen Vorgaben auf Basis der Diskussionsergebnisse anpassen, forderte das Komitee zuletzt am Freitagnachmittag bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Bürgerbeteiligung abgelehnt

Prompt reagierte eine weitere Bürgergruppe, die Wirtschaftsgemeinschaft: "Beim konkreten Projekt lehnen wir eine Bürgerbeteiligung ab, da sich der Großteil der Liegenschaft in privater Hand befindet", ließ Obmann Gunther Fenkart wissen. Und Gestaltungsfragen solle man doch bitte den Fachleuten überlassen. (Jutta Berger, DER STANDARD, 8.7.2013)

  • Hohenemser Stadtansicht von 1613. Zukünftige Visionen der Bewohner wurden nun von der Stadt gesammelt.
    foto: wikimedia

    Hohenemser Stadtansicht von 1613. Zukünftige Visionen der Bewohner wurden nun von der Stadt gesammelt.

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