Kunstweglegung

Einserkastl7. Juli 2013, 17:27
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Geschenk oder Diebesgut? Vor dem Wiener Kunsthistorischen Museum wurden Bilder "hinterlegt"

Ein Sicherheitsmann des Kunsthistorischen Museums machte unlängst eine seltsame Entdeckung: Im akkurat geschnittenen Nadelwerk einer Eibe vor dem Museum lag notdürftig verpackt - ein Gemälde. Im dichten Gehölz entdeckte er gar ein zweites Bild. Beide Werke waren offensichtlich alt.

Nun gehört der Platz zu den belebtesten der Stadt. Die Bilder, womöglich Diebsgut aus dem Museum selbst, mussten sichergestellt werden. Was der Mann auch tat, um sie sogleich in der hauseigenen Restaurierwerkstätte abzuliefern. Die Fachleute nahmen sie in Augenschein - und stellten fest, dass sie mit Sicherheit nicht Teil der ehrwürdigen Sammlung waren. Die Bilder waren wohl alt, aber nicht alles, was verstaubt ist, gehört deshalb gleich dem Kunsthistorischen.

Für das Museum war der Fall erledigt. Die Polizei wurde gerufen, die Sachlage protokolliert, worauf die Beamten die Werke in Verwahrung nahmen. Da sind sie noch heute.

Nur: Vielleicht handelt es sich gar nicht um Diebsgut? Vielleicht war der Besitzer ihrer nur überdrüssig, wollte, dass sie in andere, kunstsinnigere Hände kommen? Der Platz vor dem Museum wäre ein idealer Ort dafür. Vielleicht aber sollte er seinen Entschluss nochmals überdenken - durch den Vorfall hat sich ihr Nimbus schließlich grundlegend geändert. Von nun an könnte er nämlich erklären: "Die Bilder waren früher einmal im Kunsthistorischen Museum." (Severin Corti, DER STANDARD, 8.7.2013)

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