"Gesucht wird immer das große Wachstum"

Interview7. Juli 2013, 17:23
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Die Abschwächung des Wachstums vertreibt Investoren aus den Bric-Ländern, erklärt Colm D 'Olier. Sie versuchen ihr Glück nun im asiatischen Raum

Die Abschwächung des Wachstums vertreibt Investoren aus den Bric-Ländern, erklärt Colm D 'Olier. Sie versuchen ihr Glück nun im asiatischen Raum. Bettina Pfluger hat den Fondsmanager in Wien getroffen.

STANDARD: Investoren flüchten aus den Schwellenländern. Zu Recht?

D'Olier: Jein. Viele Anleger haben in den vergangenen Jahren nur das Wachstum gesehen, das hat sich mittlerweile aber verlangsamt. Zudem gibt es nicht immer einen positiven Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Rendite. Auch das hat sicher viele Investoren wachgerüttelt. Wir betrachten uns als Fundamentalinvestoren und selektieren die Unternehmen sehr genau.

STANDARD: Nach welchen Kriterien? Ist die Unabhängigkeit vom lokalen Markt ein wichtiger Faktor?

D'Olier: Nein. Wenn wir uns ein Unternehmen anschauen, dann prüfen wir, wie gut es innerhalb des Sektors und in der Peer-Group aufgestellt ist. Dabei geht es nicht um kurzfristiges Wachstum, sondern um langfristiges Potenzial. In Indien gibt es beispielsweise gerade eine Konsolidierungswelle im Mobilfunkbereich. Da ist es wichtig, auf das langfristig richtige Pferd zu setzen. Wichtig ist auch der Bereich Corporate Governance (Grundsätze der Unternehmensführung, Anm.). Da sind die Standards sehr unterschiedlich, in Brasilien etwa wesentlich besser als in Russland. Auch Indien hat hier großen Aufholbedarf.

STANDARD: Ist es nach der großen Wachstumsphase mittlerweile schwieriger geworden, solche Unternehmen zu finden?

D'Olier: Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Heute gibt es mehr Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren und sich besser aufstellen. Nischen zu finden, wurde als Thema erkannt. Vor allem in Südkorea zeigen die Unternehmen vor, dass kostenorientiertes Arbeiten nicht alles ist. Es braucht auch technologische Entwicklung und Differenzierung zur Konkurrenz.

STANDARD: Wohin gehen die Investoren, die aus Brasilien, Russland, Indien und China abziehen?

D'Olier: Die Bric-Staaten waren ein großer Markt, nun zieht der asiatische Raum Geld an. Es ist immer das große Wachstum, das gesucht wird, in der Hoffnung, daran zu partizipieren. China ist dafür ein gutes Beispiel. Die hohen Wachstumsraten in China haben jahrelang überzeugt. Jetzt sind viele skeptisch geworden, weil sich die Dynamik abgeschwächt hat. Das heißt aber nicht, dass China nicht mehr wächst. Vor zehn Jahren war die chinesische Wirtschaft halb so groß wie heute. Jetzt muss das Wachstum nicht mehr jährlich zehn Prozent betragen, damit eine Entwicklung stattfindet.

STANDARD: China hat mit seinen Problemen am Interbankenmarkt zuletzt für Schrecken gesorgt ...

D'Olier:Das stimmt. Wir sehen das aber relativ entspannt. Alle Banken in China gehören dem Staat, der die Kreditvergabe auch angeheizt hat. Dass es nun zu einer Korrektur kommt und der Interbankenmarkt effizienter wird, ist erfreulich. Andererseits würde man ein großes Problem lediglich in die Zukunft verschieben. Freilich wird es jetzt einige Banken geben, die Probleme bekommen. Aber China wird seine Banken nicht fallen lassen. Das Land hat Cash-Reserven und ist in einer weitaus besseren Lage, als es Europa oder die USA beim Ausbruch der Finanzkrise waren. (DER STANDARD, 8.7.2013)

Colm D'Olier ist seit 2007 bei der Fondsgesellschaft M&G. Seit 2012 ist der Ökonom Co-Fondsmanager des M&G Global Emerging Market Fonds, der 1,34 Milliarden Euro verwaltet.

  • Colm D'Olier: "Die Bric-Staaten waren ein großer Markt, nun zieht der asiatische Raum Geld an."
    foto: justin canning

    Colm D'Olier: "Die Bric-Staaten waren ein großer Markt, nun zieht der asiatische Raum Geld an."

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