Zoidl steht vor Gesamtsieg

6. Juli 2013, 21:49
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Linzer erkämpft sich im Einzelzeitfahren vor der Schlussetappe das Gelbe Trikot - Denifl operiert

Podersdorf - Der Österreicher Riccardo Zoidl hat am Samstag nach einem starken Auftritt im Einzelzeitfahren der Österreich-Radrundfahrt in Podersdorf die Führung in der Tour übernommen und steht vor dem Gesamtsieg. Die Schlussetappe am Sonntag führt über 123 Kilometer nach Wien, an der Spitze ist keine Änderung mehr zu erwarten. Es wird der erste Gesamtsieger aus Österreich seit Thomas Rohregger 2008 sein. Der Sieg am Samstag über die 24,1 Kilometer am Neusiedlersee ging an den Schweizer Fabian Cancellara, Zeitfahr-Olympiasieger von 2008 und vierfacher Zeitfahr-Weltmeister, vor Marco Pinotti (ITA).

Zoidl (Gourmetfein Wels) rollt am Sonntag auf der achten und letzten Etappe im Gelben Trikot nach Wien. Der von der ersten Etappe an in Führung gelegene Belgier Kevin Seeldraeyers fiel in der Gesamtwertung mit nun 50 Sekunden Rückstand auf Zoidl an die dritte Position hinter seinen Astana-Teamkollegen Alexander Djatschenko (KAZ/+33) zurück. Zoidl hatte vor dem Einzelzeitfahren 52 Sekunden Rückstand auf Seeldraeyers.

Schmerzhafter verlief die Tour für den Tiroler Radprofi Stefan Denifl. Einen Tag nach seinem Schlüsselbeinbruch ist dieser am Samstag in der Privatklink Hochrum erfolgreich operiert worden. Das gab sein Schweizer Team IAM in einer Aussendung bekannt. Denifl war auf der 6. Etappe der Österreich Rundfahrt nach rund 90 Kilometern zu Sturz gekommen und hatte als Gesamtelfter aufgegeben.

Zoidl nach starker Saison am Weg zum Profi

Für Zoidl wäre der Sieg in der 65. Österreich-Tour das Tüpfelchen auf dem i in einer perfekten Saison. Mit 25 Jahren stieß der Oberösterreicher dank seiner heurigen vier Rundfahrtsiege die Tür in die große Radsport-Welt auf, er wird in den nächsten Wochen einen Vertrag bei einem ProTour-Rennstall unterschreiben.

Im Vorjahr ist die Karriere des Mühlviertlers aus der Donau-Gemeinde Goldwörth so richtig ins Rollen gekommen. Der Gesamtsieger der heimischen Tchibo-Top.Rad.Liga holte im Zeitfahren als Staatsmeister den 14. WM-Platz und bewies damit sein Potenzial. Für 2013 bereitete er sich profimäßig vor. Zoidl stellte sein Training um, ernährt sich bewusster und nahm vier Kilogramm ab, ein Vorteil in den Bergen.

Dazu kam eine frühzeitige Planung des Rennkalenders mit Andreas Grossek, dem Sportlichen Leiter im Welser Gourmetfein-Team. Der "Aufsteiger" der Equipe profitierte auch von der Erfahrung älterer Teamkollegen wie dem Ex-Tour-de-France-Teilnehmer Markus Eibegger und sammelte bei der Bretagne-, Ardennen und Oberösterreich-Rundfahrt, die er allesamt gewann, viel Routine.

Sieg in Podersdorf stoisch genossen

Nach außen hin beinahe emotionslos, ohne zu jubeln, hat Riccardo Zoidl seinen Sieg im Zeitfahren zur Kenntnis genommen. Er sicherte sich in dem vom Schweizer Olympiasieger Cancellara beherrschten 24,1-km-Zeitfahren in Podersdorf erstmals das Gelbe Trikot.  In der entscheidenden Prüfung gegen die Uhr am Neusiedlersee setzte sich Zoidl gegen seine zwei Rivalen aus dem Astana-Team klar durch. Als 15. und bester Österreicher kam er mit 1:28 Rückstand auf den Tagessieger ins Ziel.

Es galt, 52 Sekunden auf Seeldraeyers aufzuholen - und schon bei Halbdistanz zeichnete sich der Erfolg des in Innsbruck lebenden Lokalmatadors ab. "Fünf Kilometer vor dem Ziel habe ich gehört, dass ich im Gelben Trikot bin und habe nochmals Vollgas gegeben." Dass er als erster Österreicher seit fünf Jahren gewinnen werde, mache ihn stolz, sagte Zoidl. "Wenn man sich die Siegerliste anschaut, dann ist das schon sensationell", erklärte der Profi des drittklassigen Gourmetfein-Wels-Rennstalls.

"Das war ein fantastische Woche für mich", meinte Zoidl. Im Vorfeld habe er den Sieg nie erwartet, immerhin seien Profis von neun ProTour-Mannschaften am Start gewesen. "Es ist auch taktisch toll gelaufen, wenn auch nicht bewusst, dass ich am vorletzten Tag die Führung übernehme. Ich habe aufs Zeitfahren gewartet."

Seeldraeyers enttäuscht

Seeldraeyers konnte seine Enttäuschung hingegen nicht verbergen. "Meine Kollegen haben die ganze Woche für mich gearbeitet, wir wollten hier gewinnen." Die Blessuren der Stürze am Vortag hätten ihn nicht behindert, gab der Gewinner der Bergwertung zu. "Ich konnte das Tempo bei dem starken Rückenwind auf der zweiten Hälfte nicht hoch genug halten. Immerhin habe ich zwei Etappen gewonnen."

In Cancellara hatte die Ö-Tour nach Ex-Straßen-Weltmeister Thor Hushovd (NOR) erneut einen prominenten Etappensieger. Der vierfache Zeitfahr-Weltmeister und Olympiasieger von 2008 aus dem Team RadioShack setzte sich 22 Sekunden vor dem Italiener Marco Pinotti, dem Vorjahressieger, durch. "Es ist schon länger her, dass ich ein Zeitfahren gewonnen habe, jeder Sieg hat einen Stellenwert für mich", sagte der achtfache Etappensieger der Tour de France.

Heuer hatte er auf die dreiwöchige Frankreich-Rundfahrt verzichtet, um sich gezielter auf die WM vorzubereiten, bei der er erstmals Gold im Straßenrennen erobern will. Er sei mit seiner Leistung und seinem Gesamtzustand zufrieden, bemerkte der 32-Jährige. "Ich wollte nicht nur mitfahren, sondern auch etwas zeigen. Das tut mir gut und es tut meinem Team gut." (red/APA, 6.7.2013)

7. Etappe (Einzelzeitfahren in Podersdorf, 24,1 km): 1. Fabian Cancellara (SUI) 27:56,58 Min. Radioshack-Leopard - 2. Marco Pinotti (ITA) BMC +22 Sek. - 3. Kristof Vandewalle (BEL) 46 - 4. Wladimir Isaitschew (RUS) Katjuscha 48 - 5. Jesse Sergent (NZL) Radioshack-Leopard 49 - 6. Sergej Tschernezkij (RUS) Katjuscha 52 - 7. Gianni Meersman (BEL) Omega-Quick Step 1:06 - 8. Gert Joeaar (EST) Cofidis 1:08 - 9. Benjamin King (USA) Radioshack-Leopard 1:13 - 10. Michel Koch (GER) Cannondale 1:15. Weiter: 15. Riccardo Zoidl (AUT) Gourmetfein Wels 1:28 - 26. Alexander Djatschenko (KAZ) Astana 1:49 - 39. Harald Totschnig (AUT) Tirol Cycling 2:11 - 65. Andreas Hofer (AUT) Team Vorarlberg 2:42 - 87. Kevin Seeldraeyers (BEL) Astana 3:10

Gesamtwertung: 1. Zoidl 25:09:37 - 2. Djatschenko +33 Sek. - 3. Seeldraeyers 50 - 4. Tschernezkij 53 - 5. Dries Devenyns (BEL) Omega-Quickstep 1:20 - 6. Petr Ignatenko (RUS) Katjuscha 1:24 - 7. Matthew Busche (USA) RadioShack 1:45 - 8. Fabio Aru (ITA) Astana 2:19 - 9. Nicolas Edet (FRA) Cofidis 2:32 - 10. Matija Kvasina (CRO) Gourmetfein Wels 3:31. Weiter: 21. Paul Lang (AUT) WSA 11:02 - 22. Hans-Jörg Leopold (AUT) WSA 11:13 - 27. Harald Totschnig (AUT) Tirol Cycling 13:48 - 32. David Wöhrer (AUT) Tirol Cycling 19:17

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    Riccardo Zoidl feiert den fast sicheren Heimsieg.

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