Crowdfunding: Naive Hoffnung

Kommentar5. Juli 2013, 18:21
69 Postings

Die Spielregeln für alternative Finanzierungsformen massiv zu lockern wäre ein Fehler

Der Unmut der heimischen Betriebe ist verständlich. Die Banken verlangen heute für Kredite mehr Sicherheiten als vor Ausbruch der Krise. Wer nicht auf sehr soliden Beinen steht, hat es daher schwer, bei den Banken an Kapital zu kommen. Das gilt vor allem für Start-ups.

Deshalb die Spielregeln für alternative Finanzierungsformen wie das Crowdfunding massiv zu lockern wäre dennoch ein Fehler. Ebenso, den Arbeiterkammerflügel in der SPÖ in dieser Frage als weltfremde Blockierer abzutun. Im Gegenteil: Es wäre naiv zu glauben, dass Crowdfunding nur von visionären Unternehmern genutzt wird, die zwar eine brillante Idee, nicht aber den nötigen finanziellen Background mitbringen. Nur weil es bisher international noch keine größeren Betrugsfälle gab, heißt das nicht, dass es diese nicht in Zukunft geben wird. Berechtigt ist aber natürlich der Einwand, auch Banken hätten ihren Kunden windige Produkte aufgeschwatzt. Dieses Problem kann aber nicht durch die Möglichkeit windiger Produkte auch für andere Anbieter gelöst werden, sondern nur durch noch präzisere Konsumentenschutzbestimmungen.

Was auffällt: Die SPÖ drängt darauf, Gemeinden, die für ihre Kraftwerke private Geldgeber suchen, rechtlich zu bevorzugen. Warum hier ein lascherer Anlegerschutz gelten soll, ist nicht einzusehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass den Kommunen bei ihren Finanzgeschäften keineswegs über den Weg zu trauen ist. (Günther Oswald, DER STANDARD, 6.7.2013)

Share if you care.