Rendezvous der unkalkulierbaren Art

5. Juli 2013, 18:09
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Das "Wellenklaenge"-Festival in Lunz am See lockt mit stilistischer Vielfalt

Mit den als "Gipfelklänge" angekündigten Musikwanderungen in die Göstlinger Alpen, auf den Königsberg und ins Mendlingtal wurde bereits Anfang Juni Appetit gemacht auf das, was in an diesem Wochenende in Gestalt des "Wellenklaenge"-Festivals erneut über die 1800 Einwohner zählende Marktgemeinde Lunz am See hereinbricht. Intendantin Suzie Heger hat anlässlich der 17. Auflage des Festivals unter dem Motto "Rendezvous!" ein buntes Bouquet von Klängen aus unterschiedlichsten Richtungen zusammengestellt.

Zur Eröffnung werden Kinder und Erwachsene gleichermaßen bedient: Im Seebad wartet samstags und sonntags jeweils am Nachmittag das französische Straßentheaterkollektiv Le Catamaran, um in eine kuriose Welt zwischen Hafenbistro, Laterna magica und Unterwasser-Basar zu entführen. Einen ersten Höhepunkt bedeutet am Samstagabend der Auftritt von Markus Binder und Hans-Peter Falkner mit ihrem Zwiefachen, Polkas und Gstanzln gewidmeten Zweitprojekt Die Goas auf der Seebühne.

Farbenfroh geht es weiter: Das Trio Random/Control um den Vorarlberger Jazzpianisten-Shootingstar David Helbock changiert lustvoll zwischen Virtuosität und spontaner Interaktion (12. 7.), das Sextett Otava Yo aus St. Petersburg bietet russische Volkstänze, die in die Beine gehen (13. 7.). Als Highlights seien zudem die Lesung von Robert Schindel (24. 7.), das Solokonzert des Pianisten Iiro Rantala (25. 7.) und das von Hans Schagerl moderierte Jakobisingen erwähnt, bei dem u. a. die Mollner Maultrommler, der Donnersbacher Viergesang und die Tannkoppnmusi frisch und munter traditionelle österreichische Volksmusik servieren (21. 7.).

Das Herzstück des Festivals stellt indessen das von Marino Formenti kuratierte viertägige "Borderbreak"-Projekt dar (17.- 20. 7.). Der ehemalige Pianist des Wiener Klangforums, mittlerweile auf Solokarriere-Pfaden unterwegs, lässt mit Vokalisten-Enfant-terrible David Moss, Saxofonist Wolfgang Puschnig, Pianist Paul Urbanek, Turntablist Jorge Sanchez-Chiong, den Instrumentalisten des Ensembles Phace sowie den Jungmusikern dreier lokaler Rockbands Menschen aus höchst unterschiedlichen Richtungen aufeinander los.

Auf der Seebühne, auf dem Maiszinken, im Arkadenhof des Amonhauses, in der Pfarrkirche und an weiteren Plätzen werden diese in wechselnden Konstellationen über Generations- und Genregrenzen hinweg kommunizieren. Mit unkalkulierbaren, aber wohl spannenden Resultaten. Das Festivalmotto "Rendezvous!" wird hier in sympathischer Weise beim Wort genommen. (Andreas Felber, DER STANDARD, 6./7.7.2013)

  • Pianist Marino Formenti gestaltet beim Festival "Wellenklaenge" einen Schwerpunkt.
    foto: corn

    Pianist Marino Formenti gestaltet beim Festival "Wellenklaenge" einen Schwerpunkt.

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