Gutachter prüft Dayli-Konkursverschleppung

5. Juli 2013, 17:54
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Wien - Die Insolvenz von Dayli zieht einen Rattenschwanz an offenen Fragen nach sich. Eine der Wesentlichsten ist, ob das angemeldete Sanierungsverfahren bewusst zulasten der Gläubiger zu lange hinausgezögert wurde. Gerhard Weinhofer, Chef der Creditreform, will es wissen und beauftragt, wie er dem Standard sagt, Wirtschaftsprüfer mit einem entsprechenden Gutachten.

Masseverwalter Rudolf Mitterlehner und sein vierköpfiges Linzer Team haben jedenfalls genug zu tun. Mitterlehner hat Großpleiten wie den Versandhändler Quelle, Carrera Optyl, Kirchberger und Komm&Kauf abgewickelt. Dayli mache vor allem die beachtliche Schuldenhöhe und die hohe Zahl an Dienstnehmern und Lieferanten zur Herausforderung, sagt er. Zu eruieren, ob es auch strafrechtlich relevante Tatbestände gebe, sei die Aufgabe der Staatsanwaltschaft. Mitterlehner will kommende Woche die Entscheidung darüber fällen, ob und in welcher Form die Drogeriemarktkette aus eigener Kraft fortgeführt werden kann.

Franchisekonzept stößt auf Skepsis

Rudolf Haberleitner vertritt das Unternehmen als Geschäftsführer gegenüber den Masseverwaltern, ansonsten hat er rechtlich nichts mehr zu sagen. Sein angekündigtes Franchisekonzept, das Verkäuferinnen Eigenverantwortung und Lizenzgebühren abverlangt, sieht Mitterlehner mit großer Skepsis. Es stehe Haberleitner zu, Pläne zu haben. Franchising sei aber eine komplexe Sache, kurzfristig gehe da nichts. Wie einst bei Schlecker meldeten sich auch für Dayli Investoren, die Interesse an einem Einstieg bekundeten. Etliche Leichenfledderer seien darunter, sagen Marktkenner. Die Filialen gelten für Händler als unattraktiv.

In Wien gibt es für die betroffenen Mitarbeiter mittlerweile eine Arbeitsstiftung. Sie soll den Verkäuferinnen beim Neueinstieg ins Berufsleben helfen. Auch in Niederösterreich ist die entsprechende Stiftung in Vorbereitung.

Vertreten werden die Dayli-Beschäftigten künftig von einer neuen Betriebsratschefin. Der bisherigen Vorsitzenden Eszter Udvardy entzogen die Mitglieder des Betriebsrates am Freitag das Vertrauen, gab die Gewerkschaft bekannt; Gertrud Pronegg hat nun den Vorsitz. Der Sozialplan für die bereits zur Kündigung angemeldeten Beschäftigten wurde abgelehnt.

Weniger Insolvenzen

Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Insolvenzen in Österreich im Handel laut der Creditreform um zwölf Prozent auf 523 Fälle gesunken. Das Pleiterisiko ist deutlich geringer als etwa im Bau. (vk, DER STANDARD, 6.7.2013)

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    Wien richtet eine Arbeitsstiftung für Dayli-Mitarbeiter ein.

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