Psychotherapie wirkt bei sozialer Phobie

5. Juli 2013, 18:32
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Laut einer Studie ist Kurzzeit-Psychotherapie zumindest mittelfristig wirksam gegen die Angst vor Menschen

Berlin - Die krankhafte Angst davor, von anderen negativ beurteilt zu werden, schränkt Betroffene stark ein. Sie meiden es, Aufmerksamkeit zu erregen, isolieren sich und drohen zu vereinsamen. Rund zwei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an der sogenannten sozialen Phobie. Mit einer umfassenden Studie haben deutsche Wissenschaftler nun herausgefunden, dass Kurzzeit-Psychotherapie ein wirksames Mittel gegen die Angst vor Menschen ist. Diese Wirkung hält selbst zwei Jahre nach Ende der Psychotherapie noch an, wie ein Experte der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) betont.

Für die multizentrische Studie, die nun im "American Journal of Psychiatry" veröffentlicht wurde, teilten die Forscher 495 Patienten nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen ein. Die Patienten der ersten Gruppe wurden über den Zeitraum von neun Monaten mit der sogenannten kognitiven Therapie behandelt, die zweite Probandengruppe erhielt während des gleichen Zeitraums eine psychodynamische Therapie. Die Kontrollgruppe blieb über sechs Monate unbehandelt - gemäß der durchschnittlichen Dauer, die Therapiewillige auf der Warteliste stehen bis ihnen ein Therapieplatz zugewiesen wird. Im Ergebnis zeigten die beiden Psychotherapiegruppen mit 60 beziehungsweise 52 Prozent der Patienten deutliche Heilungsanzeichen. Bei der Wartelistengruppe waren es hingegen nur 15 Prozent. 

Verstehen vs. Handlungsorientierung

In den ersten beiden Gruppen wiesen 36 beziehungsweise 26 Prozent der Probanden überhaupt keine klinischen Symptome der sozialen Phobie mehr auf. In beiden Therapiegruppen besserte sich auch die Depressivität. "Damit liegt der Schluss nahe, dass beide Psychotherapien wirksam sind. Im Gegensatz zu einer medikamentösen Behandlung hält die Besserung auch noch zwei Jahre nach Ende der Behandlung an", so Falk Leichsenring von der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Gießen. 

Für Leichsenring geht es nun darum abzuklären, welche Patienten von welcher Form der Psychotherapie am stärksten profitieren können: "Möglicherweise kommt für Betroffene, die vor allem handlungsorientiert sind, eher die kognitive Therapie in Frage", lautet eine These des Experten. - Denn hier entwickeln Patient und Therapeut zusammen Handlungsmuster, die den Alltag erleichtern. "Für Menschen, die darüber hinaus verstehen möchten, was hinter ihren Ängsten steckt, eigne sich die psychodynamische Therapie besser. Diese Therapieform geht davon aus, dass die Krankheit auf ungelöste Beziehungskonflikte in der Vergangenheit zurückgeht, die es zu verarbeiten gilt", erklärt Falk Leichsenring. (red, derStandard.at, 5.7.2013)

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