Polizei motiviert Gewalttäter zur Therapie

5. Juli 2013, 18:14
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Die Wegweisung der Gewalttäter nach familiärer Gewalt ist ein wichtiges Instrument des Opferschutzes. Aber was geschieht mit dem Täter? Ein Vorarlberger Projekt von Sozialarbeit und Polizei forciert Beratung

Bregenz - Vorarlbergs Soziallandesrätin Greti Schmid (VP) hat eine Idealvorstellung vom Zusammenleben: ein Leben ohne Gewalt. Sie will, dass "Gewalt, vor allem Gewalt in der Familie, in unserer Gesellschaft keinen Platz hat". Die Landesregierung unterstützt seit zwei Jahren die Täterberatung, "damit soll ihnen geholfen werden, aus der Gewaltspirale herauszukommen".

300.000 Euro jährlich für Gewaltberatung

Wachgerüttelt durch rohe familiäre Gewalt, der ein dreijähriger Bub zum Opfer fiel ("Fall Cain") stockte das Land die finanziellen Mittel für die Gewaltberatung des Instituts für Sozialdienste auf. 300.000 Euro fließen jährlich. Zwei Beratungsstandorte wurden eingerichtet, ein weiterer in Bludenz ist für 2014 konzipiert.

346 Personen wurden im Vorjahr beraten, ein Drittel davon kommt von sich aus. Aber wie schafft man den Kontakt zwischen Therapeuten und Gewalttätern, die nicht von selbst den Weg in die Beratung suchen? "Wir sind die Feuerwehr", sagt Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher. Das Gewaltschutzgesetz ermögliche es der Polizei, Gewalttäter vorübergehend wegzuweisen und Betretungsverbote auszusprechen.

Gewalttäter zur Beratung motivieren

"Die Spirale der Gewalt wird dadurch aber nicht durchbrochen", sagt Harald Mayer, der als Leiter der Polizeiinspektion Feldkirch mit dem Alltag konfrontiert ist. Mit dem Leiter der IfS-Gewaltberatung Arno Dalpra suchte der Polizist nach Antworten auf die Frage "Wegweisung der Täter - was dann?". Ein gemeinsames Projekt entstand.

Polizistinnen und Polizisten werden vom IfS in Workshops geschult, die Gewalttäter zur Beratung zu motivieren. Mit der Wegweisung komme es zwar zu einer Entanonymisierung der familiären Gewalt, der daraus entstehende Druck führe aber oft zu weiterer Eskalation, sagt Mayer. Ziel des Projekts ist für Dalpra, "das Schweigen, das ein Biotop der Gewalt ist, zu brechen".

Beratung ins Gesetz

Therapieangebote in Gerichtsverfahren kämen oft zu spät, sagt Dalpra. Das erste Gespräch müsse kurz nach der Tat erfolgen. "Das ist die sensibelste Phase, in der sind Täter am ehesten bereit, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen."

Da der Datenschutz die Weitergabe der Täterkontakte an die Beratungsstelle verhindert, muss die Polizei die Erlaubnis des Betroffenen einholen. Ein Drittel der im Vorjahr Weggewiesenen willigte ein. Über die Hälfte dieser Täter ist zu längerer Therapie bereit. Die Beratung der Täter sollte gesetzlich verankert werden, fordert Dalpra. Zustimmung dazu kommt aus dem Frauenministerium: Beratung per Gesetz wäre nachhaltiger Gewaltschutz.

In Österreich stieg die Zahl der Wegweisungen von 2010 bis 2012 um 14,6 Prozent auf 7748. (Jutta Berger, DER STANDARD, 6./7.7.2013)

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    Die Polizei ist die "Feuerwehr" nach familiärer Gewalt - danach sollen Täter in die Beratung.

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