Bregenzer Rekordversuch mit "Zauberflöte"

5. Juli 2013, 17:44
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Intendant David Pountney inszeniert die Mozart-Oper auf dem See und will damit die Kassen wieder füllen

David Pountney geht im vorletzten Jahr seiner Intendanz auf Nummer sicher. Mozarts Zauberflöte soll die Kassen füllen. Eigentlich wollte Pountney zum Abschied von den Bregenzer Festspielen das Musical Show Boat für die Seeaufführungen 2013 und 2014 inszenieren. "Im letzten Moment" (Pountney) plante er mit dem kaufmännischen Leiter Michael Diem um.

Beschleunigt hat die Entscheidung für den Programmwechsel der mäßige Erfolg der beiden letzten Festspielsaisonen. Das Wagnis, mit André Chénier von Umberto Giordano eine relativ unbekannte Oper auf die Seebühne zu bringen, kam in der Fachwelt an, aber nicht beim Publikum. Die Auslastung lag mit 75 Prozent im ersten Jahr weit unter den gewohnten Zahlen. Die Revolutionsoper sahen in beiden Saisonen 229.817 Menschen. 100.000 weniger als in den Vorsaisonen 2010 und 2009 Verdis Aida. Mit 348.212 Besucherinnen und Besuchern waren die beiden Aida -Saisonen die bestverkauften in der 68-jährigen Geschichte der Bregenzer Festspiele.

Spielt das Wetter mit, könnte die Zauberflöte den Rekord brechen. 28 Aufführungen wurden angesetzt, 200.000 Tickets aufgelegt und fast zur Gänze verkauft. Man überlegt nun, pro Aufführung 92 zusätzliche Plätze zu schaffen. Die Bregenzer bedienen mit der beliebten Oper ihr wichtigstes Zielpublikum, die deutschen Nachbarn. Sie machen 61 Prozent der Festspielbesucher aus. Pountneys Co-Geschäftsführer Michael Diem freut sich über die Nachfrage, schließlich möchte er die Rücklagen, die wegen Chénier aufgelöst werden mussten, wieder auffüllen.

Wie groß das Loch im Sparbuch ist, will Diem nicht sagen. Kein Geheimnis macht er aus der Höhe der Sponsorengelder. Bei einem Gesamtbudget von 20 Millionen Euro sind es 1,3 Millionen. Der Großteil kommt von der Liechtensteiner Fürstenbank LGT und der Hypo Vorarlberg. Hauptsponsoren sind aber die Steuerzahlenden. Bund, Land, Stadt subventionieren mit 5,7 Millionen Euro.

Skandale wie in Salzburg kennt man in Bregenz nicht, Intrigen schon. Nach den Querelen um die Pountney-Nachfolge herrscht aber wieder Ruhe im Festspielhaus. Neopräsident Hans-Peter Metzler bereitet mit der designierten Intendantin Elisabeth Sobotka die Zeit nach Pountney vor. 2015 wird gewechselt. (Jutta Berger, DER STANDARD, 6./7.7.2013)

Die Bregenzer Festspiele beginnen am 17. 7. mit dem Spiel am See. Die Hausoper, André Tchaikowskys "Der Kaufmann von Venedig", hat am 20. 7. Premiere, Olga Neuwirths "American Lulu" am 16. 8.

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  • Johan Engels schuf das Bühnenbild für die "Zauberflöten"-Inszenierung auf der Bregenzer Seebühne.
    foto: festspiele/mathis

    Johan Engels schuf das Bühnenbild für die "Zauberflöten"-Inszenierung auf der Bregenzer Seebühne.

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