Zwischen den Zeiten

5. Juli 2013, 17:00
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"L'Euridice" von Giulio Caccini im Tiroler Landestheater

Es ist ein Werk, entstanden in einer Zeit des Aufbruchs - eines Aufbruchs durch eine zeitliche Rückwärtswendung. Es ist ein Werk zwischen den Zeiten und den Stilen: "L'Euridice ist nicht mehr Renaissancemusik, aber auch noch nicht barock", so Alessandro De Marchi, "das ist superinteressant". In der Florentiner Camerata des Grafen Bardi traf sich Ende des 16. Jahrhunderts die künstlerische und geistige Elite des Landes, man diskutierte, so wie heute, über die Tragödie in Griechenland - allerdings weniger über finanzielle Aspekte als über das Drama und die Notwendigkeit der Wiederbelebung der Einstimmigkeit als Voraussetzung der Verschmelzung von Text, Affekt und Gesang.

Einige Herren schritten zur komponierenden Tat, zwei Jahre nach Jacopo Peri vertonte auch Giulio Caccini 1602 den Orpheus-Stoff. "Und so kam mir der Einfall, eine Art Musik einzuführen, die es ermöglicht, musikalisch zu sprechen", so Caccini lapidar im Vorwort seiner Stilbibel Le Nuove Musiche. Anstelle rhythmisch komplizierten, mehrstimmigen Tonwerks gab es in den Werken wie L'Euridice nun Melodie und Harmonie: die Geburt der Oper, zugleich auch die Geburt der Popmusik.

"Opernhaft" nennt Dirigent Rinaldo Alessandrini das Werk, auch für Regisseur Hinrich Horstkotte ist L'Euridice "noch nicht wirklich eine Oper". Das Libretto von Ottavio Rinuccini ist epischer Natur: Der Großteil der Handlung wird erzählt. Zur Illustration des Erzählten bedient sich Horstkotte, eine zentrale Szene ausgenommen, bewegter Schattenbilder aus der Tradition des Elisabethanischen Theaters.

Maria de Medici und Heinrich von Navarra, zu deren Hochzeit L'Euridice (hier singt Sara Mingardo die Hauptrolle) aufgeführt wurde, werden in Horstkottes Inszenierung ebenfalls präsent sein und als Proserpina und Pluto sogar zeitweilig in das Geschehen eingreifen. Und was meint Intendant Alessandro De Marchi dazu? "Die Atmosphäre und die Magie der Musik wird wundervoll umgesetzt werden." Bravi. (DER STANDARD, 6.7.2013)

Tiroler Landestheater, 23., 25. 8.


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  • Als Euridice zu hören: Sara Mingardo.
    foto: innsbrucker festwochen

    Als Euridice zu hören: Sara Mingardo.

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