Ein Butler für die Städter auf der Alm

5. Juli 2013, 18:14
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Auf der Turracher Höhe geleiten livrierte Betreuer die Gäste durch Wald und Gegend

Turracher Höhe - Es sei ja nicht so, dass die ganze Gegend mit Bilderrahmen vollgestellt sei, beschwichtigt Elke Basler. Und mit der Hollaröhdulliöh-Zwangsbelustigung durch automatisierte Tiroler, die Felix Mitterer 1993 im vierten Teil seiner Piefkesaga als Groteske entwarf, habe der Almbutler nichts zu tun. "Aber es gibt das Bedürfnis vieler Gäste, betreut zu werden", betont die Marketingleiterin der Turracher Höhe.

Kostenfreier Service

Seit Anfang Juni gibt es ihn, den Almbutler - und die Touristiker auf der Turracher Höhe sind mächtig stolz. Denn der Butler bietet Sommergästen persönlichen Service: Er verteilt Äpfel und Wasser. Er berät und führt Wanderer. Er richtet Picknickplätze und Jausen her. Er bittet und begleitet zum Gipfelfrühstück. Er hat Butler-Stationen eingerichtet, wo Wanderer Sonnencreme-Dispenser, Erfrischungen und Liegestühle finden. Er organisiert Alpin-Yoga und hilft, den Urlaub auch fotografisch ins rechte Licht zu rücken: An malerischen Stellen wurden Bilderrahmen aufgestellt.

Den Almbutler gibt es in drei Versionen. Als Headbutler agiert der lokale Berg- und Wanderführer Ulrich Knallnig. Ihm zur Seite steht Butler-Azubi Arnold Struggl, und für die Kinder gibt der Volksschullehrer Josef Kranzlbinder den Junior-Butler. Und obwohl "Butler" elitär klingt, steht der Service jedem Nächtigungsgast von 14 lokalen Betrieben kostenfrei zur Verfügung.

Kein Animationsprogramm

Die Response sei toll, jubelt Marketingfrau Basler nach den ersten Wochen und betont, "dass das kein Animationsprogramm ist: Wir wollen Städter, die sich in der Natur mitunter ein bisserl unsicher fühlen, durch Informationen und Service ermutigen."

Derartige Figuren als Beleg dafür zu zitieren, dass Mitterers Bergtourismus-Satire längst von der Wirklichkeit ein- und überholt worden ist, sei unzulässig, betont der Freizeitforscher Peter Zellmann: "Die Idee ist grundrichtig: Wenn man die Menschen nicht gängelt, sondern sanft motiviert und informiert, ist das eine tolle Sache. Wer einmal erlebt hat, wie oft Wanderwegmarkierungen einfach falsch sind, versteht, wieso es dieses Bedürfnis nach personalisiertem Service gibt."

Nur eines irritiert den Freizeitforscher: die Berufsbezeichnung. "Butler klingt so mondän. Nach Luxus und Schickimicki - ein bisserl was Bodenständigeres hätte ich besser gefunden." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 6./7.7.2013)

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