Mit Ziegen und Hühnern durch Malawi

9. Juli 2013, 14:24
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Bloggerin Victoria Lainer lernt in Malawi die Wichtigkeit von Fahrrädern und einer guten Ausbildung kennen, ehe es weitergeht nach Sambia

An der Grenze von Malawi erfahre ich, dass ich als Österreicherin im Gegensatz zu den meisten anderen Europäern kein gratis Visum bekomme. Ich beantrage, bezahle und warte und warte. Als ich meinen Pass mit Visum erhalte ist es bereits dunkel und wir beschließen in Karonga, kurz hinter der Grenze, zu übernachten. Zuerst waren wir verwirrt, da nach dem Wechselkurs, der in unserem Reiseführer angegeben war, ein einfaches Abendessen umgerechnet dem Preisniveau in Europa entsprach. Kurzer Schock, dann Entspannung: durch die Inflation ist der zwei Jahre alte Reiseführer eben nicht mehr auf dem aktuellen Stand.

Das Fahrrad als Transportmittel Nr.1

Was uns in Malawi sofort ins Auge sticht, ist die große Präsenz von Fahrrädern. Während in Tansania am Straßenrand Motorrad-Taxis warteten, sind es in Malawi Fahrradfahrer, die abfahrbereit auf Kunden warten, um sie auf ihren Gepäckträgern von A nach B zu chauffieren. Von den Fahrradtaxis gibt es unterschiedliche "Klassen" vom normalen Gepäckträger bis hin zum komfortablen Lederpolster - manchmal sogar mit Haltegriff.

Bei unserer Weiterfahrt bleibt der Kleinbus wieder einmal länger stehen und wir beobachten zwei Herren, die zwei lebende Ziegen auf einem Fahrrad festbinden. Ein durchaus kniffeliges Unterfangen, vor allem, weil die Ziegen ängstlich strampeln und meckern. Mit viel Geduld und Geschick gelingt es den beiden aber, eine Ziege an der Lenkstange und eine auf dem Gepäckträger zu fixieren und wackelig loszufahren. Das Fahrrad ist also das Fortbewegungsmittel Nr. 1 - für Mensch und Tier. Autos sehen wir auf der Strecke in die Hauptstadt Lilongwe nur wenige, und wenn, dann tragen sie die Aufschrift einer Hilfsorganisation oder der EU.

Tierische Begleiter und Grüße aus Salzburg

Die Fahrt nach Mzuzu ist wunderschön, wir fahren ein Stück am Malawisee entlang bevor es hinauf in die Berge geht. Im Bus vernehmen wir neben dem Gackern der Hühner auch ein aufgeregtes Grunzen und entdecken zu unseren Füßen zwei kleine Ferkel. Die Liste an tierischen Mitfahrern ergänzt eine, auf halber Strecke zugestiegene Dame noch durch zwei Körbe Trockenfisch, markanter Geruch inklusive. Voll bepackt mit Mensch und Tier, schlängelt sich der Bus die kurvigen Bergstraßen hoch. Der Fahrer wird in den Kurven langsamer und weiß die Motorbremse bei Bedarf einzusetzen - für uns eine positive Überraschung und eine ungewohnte aber angenehme Situation, sich auf einmal im Bus sicher zu fühlen. Eine freundliche alte Dame steigt ein und ich bekomme große Augen als ich den Aufdruck auf ihrem Kopftuch lese: „Airport Salzburg". Als ich ihr mit Hilfe der anderen Fahrgäste erkläre, dass das meine Stadt ist, lächelt sie und hält ganz lange meine Hand.

Ankunft in Lilongwe

Von Mzuzu fahren wir tags darauf weiter nach Lilongwe. Je näher wir der Hauptstadt kommen, desto mehr Autos sehen wir auf der Straße und zwischen den Lehmhäusern finden sich immer mehr Ziegel- bzw. Steinhäuser. Lilongwe, die Hauptstadt Malawis, bietet mit seinen breit angelegten Straßen und Alleen einen starken Kontrast zur ländlichen Gegend. Aber irgendetwas fehlt mir im Stadtbild, vor allem was den Straßenverkehr betrifft: es gibt kaum Straßenpolizisten, die den Verkehr regeln. Wundersamer Weise schaffen es die Menschen bei Rot stehen zu bleiben und die Kreisverkehre nicht zu verstopfen.

Um im Zentrum der Millionenstadt Lilongwe von einer Seite des Flusses zur anderen zu kommen gibt es für Fußgänger zwei Möglichkeiten. Die eine bietet die Lilongwe-Bridge, gleichzeitig die einzige Möglichkeit für Busse & Co, die andere sind die vielen, von Selbsthilfegruppen selbst gebaute Holzbrücken. Die Passanten zahlen pro Benutzung MK20 (ca. 5 Cent). Diese Brücken werden zwar oft während der Regenzeit weg geschwemmt, aber erleichtern das alltägliche Leben in der Stadt und bieten Arbeitsplätze bzw. Einkommensquellen.

Ausbildung, eine große Chance

Wir besuchen ein Projekt von "Jugend eine Welt – Don Bosco Aktion Österreich". Die Salesianer Brüder leiten in einem Viertel von Lilongwe neben einer Pfarre auch ein Jugendzentrum und eine Berufsschule. (Aus-) Bildung ist und bleibt ein essentielles Sprungbrett, um dem Teufelskreis der Armut zu entkommen und (leistbare) Ausbildungsstätten, sind Mangelware. Die Berufsschule von Don Bosco hat in ganz Malawi einen sehr guten Ruf und die Jugendlichen haben nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Lehre gute Berufschancen. Das Jugendzentrum steht allen Kindern und Jugendlichen der Umgebung offen und bietet ein breites Sport- und Betreuungsprogramm. Wir sind beeindruckt von der Anzahl der Kinder und Jugendlichen samt Familien, die von der Einrichtung betreut werden und profitieren können.

Ein Pick-Up zum See

Auf der Fahrt zum Malawisee müssen wir kurz vor dem Ziel wieder einmal umsteigen, diesmal auf die voll beladene Ladefläche eines Pick-Ups. Trotz der vollen Ladefläche wird auf halber Strecke noch enger zusammengerückt, um Platz für einen kurz zuvor gestürzten Radfahrer und sein Fahrrad zu machen.

Wir kommen am Malawisee zeitlich passend zum Sonnenuntergang an, ein traumhaftes Farbenspiel. Trotz des kühlen Wetters wagen wir ein Bad im See.

Mit den Hühnern Bus fahren

Der Bus nach Lilongwe ist voll bepackt mit Mensch, jeglicher Art von Gepäck und Tieren. Ein Huhn hat gackernd vor Angst Zuflucht unter den Sitzreihen gesucht. Als sein Besitzer aussteigt und nach dem Huhn fragt, hebt es irgendjemand in den hinteren Reihen hoch und es wird kopfüber gackernd nach vorne gereicht.

Wir verabschieden uns auf dieser Fahrt von Malawi und all den Bekanntschaften, die wir hier gemacht haben und fahren weiter nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias. (Victoria Lainer, derStandard.at, 8.7.2013)

  • Sonnenuntergang am Malawisee.
Mehr Bilder gibt's in einer Ansichtssache.
    foto: victoria lainer

    Sonnenuntergang am Malawisee.

    Mehr Bilder gibt's in einer Ansichtssache.

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