Wimbledon-Übertragungen: Lisicki-Finale nur im Pay-TV-sehen

5. Juli 2013, 15:04
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Anfrage der ARD abgelehnt - Dreijahresvertrag läuft am Sonntag aus

London - Das Exklusiv-Recht des Pay-TV-Senders Sky für die Wimbledon-Übertragungen sorgt in Deutschland unter Tennis-Fans für wenig Freude. Das Damen-Endspiel von der Deutschen Sabine Lisicki gegen die Französin Marion Bartoli wird live, aber verschlüsselt vom TV-Sender Sky gezeigt. Live-Bilder im Free-TV gibt es nicht. Sky mit seinen 3,4 Millionen Abonnenten hat eine Anfrage der ARD abgelehnt. Der öffentlich-rechtliche Sender wollte das Finale wegen des großen öffentlichen Interesses übertragen.

Allerdings konnte die ARD den Rechteinhaber weder mit Geld noch guten Worten überzeugen. Man habe das Angebot "eingehend geprüft und für nicht ausreichend erachtet", hatte Sky-Sprecher Ralph Fürther bereits am Donnerstagabend dem Medienmagazin DWDL.de mitgeteilt. "Daran halten wir fest", bekräftigte Dirk Grosse, Leiter der Sky-Sportkommunikation, am Freitag. Das Erste ließ sich aber noch ein kleines Hintertürchen offen. "Wir können noch nichts sagen", hieß es bei der ARD-Sportkoordination.

Zahlreiche Tennis-Anhänger wie die deutsche Bundestrainerin Barbara Rittner bedauerten die Entscheidung. Die frühere Nationalspielerin erinnerte an die Zeiten von Steffi Graf und Boris Becker. "Damals waren zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Sender komplett dabei. Das ist in diesem Jahr noch nicht einmal zum Finale der Fall, worüber man sehr traurig ist", erklärte Rittner im Morgenmagazin der ARD. Das Erste war 2004 als Live-Sender in Wimbledon ausgestiegen, das damalige DSF (heute Sport1) folgte einige Jahre später dem Beispiel.

Einschaltquoten

Einschaltquoten wie einst in Millionen-Höhe sind bei Sky derzeit unwahrscheinlich. 230.000 Zuschauer verfolgten den dramatischen Drei-Satz-Sieg von Lisicki gegen die Polin Agnieszka Radwanska im Halbfinale am Donnerstag. Das ist im Vergleich zu den vorherigen Partien der Berlinerin, die 60.000 (Viertelfinale) und 77.000 (Achtelfinale gegen Serena Williams) angeschaut hatten, eine enorme Steigerung. Bei den Quoten sind laut Sky die Zuschauer in den Sportsbars und die Nutzer von mobilen Endgeräten wie iPhone nicht berücksichtigt.

"Man kann das Finale anschauen, wenn man es will. Wer Spaß hat, geht in die Tennis-Clubs oder Sportsbars", warb Grosse für die Sky-Entscheidung. "Das Gemeinschaftssehen kann so neu entdeckt werden." Insgesamt sei der Pay-TV-Anbieter über den Verlauf des Turniers natürlich sehr happy. Der Bezahlsender hatte für das wichtigste Tennis-Event einen Dreijahresvertrag abgeschlossen, der am Sonntag ausläuft. Auch 2011 und 2012, als Lisicki und Angelique Kerber im Halbfinale standen, zahlte sich das Engagement aus.

Die Ausschreibung für den nächsten Dreijahresvertrag läuft. Der derzeitige Hype um Lisicki könnte die öffentlich-rechtlichen Sender oder andere Free-TV-Anbieter zum Umdenken in Sachen Tennis animieren. Die anderen drei Grand-Slam-Turniere zeigt Eurosport, ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hatte zuletzt im März umfangreiche Tennis-Übertragungen als "zu schlecht kalkulierbar" bezeichnet. (APA, 5.7.2013)

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