Führungskräfte: Mann, Vollzeit, älter und ohne Migrationshintergrund

5. Juli 2013, 14:24
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Die Zahl der Personen in leitenden Positionen ist den letzten Jahren von 498.000 auf 413.000 gesunken

Die Zahl der Führungskräfte in Österreich ist den vergangenen drei Jahren um 85.000 gesunken - von 498.000 auf 413.000 Personen. Als Führungskräfte gelten jene Beschäftigten, die sich selbst als solche definieren und mindestens einen Mitarbeiter unter sich haben - also etwa auch Gruppenleiter und Filialleiter. Insgesamt beträgt der Anteil der Führungskräfte an den unselbstständigen Erwerbstätigen in Österreich derzeit elf Prozent, vor drei Jahren waren es noch 13 Prozent.

Diese Zahlen präsentierte die Arbeiterkammer Oberösterreich am Freitag in Wien, erhoben wurden sie vom Sora-Institut. Der Grund für den Rückgang der Führungskräfte: Unternehmen sparen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch bei höheren Positionen, Jobs würden nicht nachbesetzt, so die Arbeiterkammer.

Schlechtere Chancen für Migranten

Männlich, Vollzeit, älter und ohne Migrationshintergrund: Das sind laut "Führungskräfte-Monitor" jene Parameter, die nach wie vor Österreichs Chefetagen dominieren. Treffen diese Kriterien auf eine Erwerbsbiografie zu, steigt die Chance auf eine leitende Position im Lauf des Berufslebens enorm - auf fast 50 Prozent.

Migranten schaffen es nur zu fünf Prozent in einen höher dotierten Job. Das ist keine Frage des Ausbildungsniveaus, denn auch nur neun Prozent aller Migranten mit Studienabschluss übernehmen Führungspositionen. Bei den höher qualifizierten Beschäftigten ohne Migrationshintergrund sind es hingegen 24 Prozent.

Viel weniger Frauen in höheren Positionen

Nach wie vor eklatant ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern an der Spitze von Unternehmen. Während 15 Prozent der erwerbstätigen Männer mit Führungsaufgaben betraut sind, liegt der Wert bei Frauen bei nur fünf Prozent - eine Halbierung seit dem Jahr 2008. Die Gründe sind vielfältig; so ist etwa die Zahl der erwerbstätigen Frauen in den vergangenen Jahren um 100.000 gestiegen, erklärt Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer: "Und viele arbeiten in Teilzeit." Insgesamt sind zwei Drittel der leitenden Jobs mit Männern besetzt. Je höher in der Hierarchie, desto mehr Männer sitzen in den Chefsesseln.

In der Beurteilung der Arbeitsleistung scheint in Österreich die Quantität das entscheidende Kriterium zu sein. Nicht besonders goutiert wird nämlich Teilzeitarbeit, sie erschwert den Aufstieg in Führungspositionen. Nur 15 Prozent der Führungskräfte arbeiten nicht Vollzeit, im Schnitt kommen sie auf eine Arbeitszeit von 42 Stunden pro Woche.

Kinderbetreuung als wichtiger Faktor

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Dauer der Kinderbetreuung immer noch eine große Rolle spielt. Bei den über 45-jährigen Frauen, die ihre Erwerbskarriere nicht für die Kinderbetreuung unterbrochen haben, liegt der Anteil an Führungskräften aktuell bei 17 Prozent. Bei Frauen, die die Ausübung ihres Berufs zum Zwecke der Kinderbetreuung unterbrochen haben, sind es nur sieben Prozent. Je länger die Pause dauert, desto schwieriger wird der Weg an die Spitze.

Für AK-Präsident Kalliauer sind die Ergebnisse einmal mehr Anlass, einen Ausbau der Kinderbetreuung zu fordern. Fehlen würden vor allem Kinderbetreuungsplätze, die mit Vollzeitstellen kompatibel seien. Zu kurze Öffnungszeiten und lange Schließzeiten etwa während des Sommers sind nicht nur für Kalliauer das Hauptproblem. Dazu kommen zu wenige Väter, die in Elternkarenz gehen. In Österreich sind das aktuell nur acht Prozent.

Nur Wien über Barcelona-Ziel aus dem Jahr 2002

Vom Barcelona-Ziel, wonach für mindestens 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren Krippenplätze zur Verfügung stehen sollten, ist Österreich noch ein Stück entfernt. Derzeit liegt nur Wien mit 34 Prozent über der Quote, andere Bundesländer wie Niederösterreich befinden sich mit rund 20 Prozent weit darunter.

Kritisch fällt der Blick auf die eigenen Karrierechancen aus. Die Zufriedenheit befindet sich im Sinkflug und hängt mit der Arbeitszeit zusammen. Während 55 Prozent der Frauen und 54 Prozent der Männer mit Vollzeitbeschäftigung zufrieden sind, liegt dieser Wert bei Teilzeitstellen nur bei 48 Prozent (Frauen) beziehungsweise 43 Prozent (Männer).

Der höchste Anteil an Führungskräften findet sich im Verwaltungssektor mit 15 Prozent, der niedrigste im Unterrichtsbereich mit neun Prozent. (Oliver Mark, derStandard.at, 5.7.2013)

Der "Führungskräfte-Monitor" basiert auf Daten des Österreichischen Arbeitsklima-Index, den die Arbeiterkammer Oberösterreich vierteljährlich erhebt. Befragt werden 1.000 Personen.

  • Anteil an Beschäftigten mit Führungsaufgaben
    grafik: ak oö

    Anteil an Beschäftigten mit Führungsaufgaben

  • Anteil Männer/Frauen mit Führungspositionen
    grafik: ak oö

    Anteil Männer/Frauen mit Führungspositionen

  • Zufriedenheit mit den Karrierechancen
    grafik: ak oö

    Zufriedenheit mit den Karrierechancen

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