Mutter infizierte Baby mit HIV: Freispruch

5. Juli 2013, 12:48
102 Postings

43-Jährige ist mit fünftem Kind im neunten Monat schwanger - Urteil nicht rechtskräftig

Graz - Bereits zum dritten Mal ist am Freitag im Grazer Straflandesgericht der Fall einer HIV-infizierten Frau verhandelt worden, die laut Anklage ihr Baby bei der Geburt beziehungsweise durch das Stillen angesteckt haben soll. Die 43-Jährige, die die Existenz von Aids einfach leugnet, war zweimal wegen Körperverletzung verurteilt worden, bevor sie nun im dritten Anlauf freigesprochen wurde. Mittlerweile erwartet sie ihr fünftes Kind.

Vater des Kindes starb an Aids

Die Angeklagte, die nach Angaben der Ärzte seit 24 Jahren HIV-positiv ist, hat drei Kinder weitgehend unter Berücksichtigung der ärztlichen Empfehlungen auf die Welt gebracht, alle drei sind gesund. Das vierte wollte sie auf natürlichem Weg bekommen und auch stillen. Einige Monate nach der Geburt brach bei dem Mädchen, das ebenfalls das Virus hatte, Aids voll aus und führte zu einer schweren Erkrankung, die mit Medikamenten in den Griff bekommen wurde. Der Ehemann und Vater des Kindes ist 2010 an Aids gestorben.

In zwei Verhandlungsrunden hatte die Angeklagte immer wieder erklärt, sie selbst sei gesund, Aids sei allenfalls eine Allergie und die empfohlenen Medikamente, die sie dem Baby nicht verabreicht hatte, seien "schädlich und hochtoxisch". Zweimal wurde das Urteil - einmal zehn und einmal 14 Monate bedingt - vom Oberlandesgericht aufgehoben, beim dritten Prozess erklärte Richter Christoph Lichtenberg, dass "die Richtung vom OLG vorgegeben ist". Daher wurde von vornherein auf einen Anklagevortrag verzichtet, auch die Befragung der Beschuldigten fand nur sehr eingeschränkt statt - "Sie bleiben bei Ihren bisherigen Angaben?" -, und der Gutachter äußerte sich auch wesentlich zögerlicher als in den vorherigen Prozessen.

Staatsanwalt warnte vor Freispruch

Angesichts der bevorstehenden Geburt des fünften Kindes warnte Staatsanwalt Christian Kroschl vor einem Freispruch: "Das wäre ein Freibrief, bei der nächsten Geburt wieder so zu handeln." Doch der Richter sah das anders: Da laut Sachverständigem das Ansteckungsrisiko bei einer natürlichen Geburt bei 75 bis 80 Prozent liege, sei eine Infektion bei der Geburt keine von vorneherein erwiesene Sache. Auch das Nichtverabreichen der Medikamente wertete er nicht als Körperverletzung, da kein Vorsatz sichtbar sei, dass sie dem Kind habe schaden wollen. Also erfolgte ein Freispruch, und die 43-Jährige weinte vor Erleichterung. Der Ankläger ließ das Urteil unkommentiert, es ist daher nicht rechtskräftig. (APA, 5.7.2013)

Share if you care.