Deutsche Solarbranche in tiefer Krise

5. Juli 2013, 12:22
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Überkapazitäten und Billigkonkurrenz aus Asien belasten Unternehmen

Berlin - Die deutsche Solarindustrie steckt seit geraumer Zeit in einer tiefen Krise. Überkapazitäten und Billigkonkurrenz aus Asien machen den Unternehmen das Leben schwer. Seit Monaten häufen sich die Pleiten. Nun muss der einstige Börsenstar Conergy Insolvenz anmelden.

13. Dezember 2011: Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon wenige Monate später.

21. Dezember 2011: Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird.

3. April 2012: Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1.300 Jobs am Stammsitz wird Ende August vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012: Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist der letzte reguläre Arbeitstag, die meisten der 1200 Beschäftigten verlieren ihren Job.

10. Juli 2012: Der auf das Geschäftsfeld Sonnenenergie spezialisierte Maschinenbauer Centrotherm Photovoltaics AG stellt einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Ulm. Ein Jahr später hebt das Gericht das Insolvenzverfahren auf. Centrotherm hat sich saniert.

6. September 2012: Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen.

18. Oktober 2012: Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5.500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet.

22. März 2013: Der Technologieriese Bosch gibt seinen Ausstieg aus dem Solargeschäft bekannt. Rund 3.000 Beschäftigte sind betroffen. Die Solar-Sparte von Bosch hatte 2012 einen Verlust von gut einer Milliarde Euro eingefahren.

17. April 2013: Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass das Eigenkapital komplett aufgezehrt ist. Der ohnehin schwer gebeutelte Aktienkurs stürzt weiter ab.

30. April 2013: Solarworld gibt eine Einigung mit wichtigen Gläubigern bekannt. Das Unternehmen will sich über einen drastischen Schulden- und Kapitalschnitt sanieren.

8. Mai 2013: Die EU-Kommission gibt grünes Licht für hohe Strafzölle gegen die Einfuhr von billigen Solarpaneelen aus China. Darauf antwortet China mit Ermittlungen wegen Dumpings von europäischen Stahlrohren, speziellen Chemieprodukten und sogar Wein.

18. Juni 2013: Ein Investor aus Katar will mit 35 Millionen Euro bei Solarworld einsteigen. Firmengründer Frank Asbeck schießt aus seinem Privatvermögen weitere 10 Mio. Euro zu, um das Unternehmen zu retten.

3. Juli 2003: Der Solartechnikhersteller SMA Solar will in Deutschland bis Ende des kommenden Jahres 700 Arbeitsplätze streichen.

5. Juli 2003: Das Solarunternehmen Conergy ist zahlungsunfähig und meldet Insolvenz an. Das Hamburger Unternehmen beschäftigte zuletzt 1.200 Mitarbeiter. (APA, 5.7.2013)

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