Atemwegsinfektionen erhöhen Risiko, an Typ-1-Diabetes zu erkranken

5. Juli 2013, 12:46
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Atemwegsinfektionen in den ersten Lebensmonaten machen anfälliger für ein späteres Auftreten von Autoantikörpern, die Typ 1 Diabetes begünstigen

München - Insbesondere Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr, allen voran ein akuter Erkältungsschnupfen (Rhinopharyngitis), scheinen ein wichtige Rolle für die Entwicklung einer Typ-1-Diabetes zu spielen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die von Wissenschaftlern des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München im Fachjournal "Jama Pediatrics" veröffentlicht wurde.

Die sogenannte Insel-Autoimmunität bezeichnet die Bildung von Autoantikörpern gegen die Insulin-bildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse und tritt am häufigsten im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren auf. Die Münchner Diabetesforscher gingen daher der Frage nach möglichen Auslösern in diesem Zeitfenster nach. Sie analysierten Daten von 148 Teilnehmern der "Babydiet-Studie", die Angehörige mit Typ-1-Diabetes und somit ein erhöhtes Risiko für eine Insel-Autoimmunität haben.

In täglichen Infektionsprotokollen dokumentierten die Eltern insgesamt 1.245 Infektionen ihrer Kinder innerhalb der ersten drei Lebensjahre. Dabei erfolgte eine Unterscheidung nach Infektionen des respiratorischen Trakts (Atemwegserkrankungen), des gastrointestinalen Trakts (Magen-Darm-Infektionen) und nach sonstigen Infektionen. Neben der Dokumentation von Fieber und Medikation wurde im dreimonatlichen Abstand das Blut der Kleinkinder auf die Bildung von Autoantikörpern untersucht. 

Spezifische Infektion dürfte nicht Auslöser sein

Dabei konnte im ersten Lebensjahr ein Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen - insbesondere von Infektionen der oberen Atemwege bei einer Rhinopharyngitis (Erkältungsschnupfen) - und einem erhöhten Auftreten von Inselautoantikörpern, festgestellt werden. Kinder mit späteren Inselautoantikörpern hatten sich mindestens zweimal im ersten Lebensjahr infiziert.

Am höchsten war das Risiko für Insel-Autoimmunität bei Kindern, die im ersten Lebensjahr mehr als fünf Atemwegsinfekte hatten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass wahrscheinlich nicht eine spezifische Infektion oder ein spezifisches Virus als Auslöser für Insel-Autoimmunität und Typ-1-Diabetes verantwortlich ist. Vielmehr scheint die Summe der Infektionen und der dabei freigesetzten entzündlichen Botenstoffe für das Risiko einer Autoimmunreaktion ausschlaggebend zu sein.

Erkältungen in den ersten Lebensmonaten vermeiden

"Die Analyse hat gezeigt, dass häufige Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr ein potentieller Risikofaktor für die Entstehung von Typ-1-Diabetes sind. Das Immunsystem ist in den ersten Lebensmonaten noch unreif und nach einigen Monaten entfällt der passive Immunschutz (Nestschutz, Anm.) durch die Mutter", so Andreas Beyerlein vom Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München zusammenfassend. 

Nach Ansicht der Studienleiterin Anette-Gabriele Ziegler legen die Ergebnisse nahe, dass eine Vermeidung von multiplen Erkältungskrankheiten in früher Kindheit als präventive Maßnahme gegen Typ-1-Diabetes angestrebt werden sollte. (red, derStandard.at, 5.7.2013)

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