Italienischer Kunstmarkt: Flaue Bilanz

  • Gefragtes Lampen-Design von Ettore Sotsass (111.600 Euro).
    foto: wannenes/c. cichero

    Gefragtes Lampen-Design von Ettore Sotsass (111.600 Euro).

Italien kämpft mit flauer Nachfrage im Inland sowie mit schrumpfenden Anteilen am Weltmarkt und sinkenden Umsätzen

Der verschärfte Kampf gegen Steuerhinterziehung sowie damit verbundene Cash-Restriktionen (Bargeldzahlung bis maximal 1500 Euro) und Kontrollen, dazu die Mehrwertsteuer von 21 Prozent (ggb. 7 % in DE, 20 % in AT) und die langwierige Exportbürokratie haben den italienischen Kunstmarkt in die Knie gezwungen. 2011, berichtete die Mailänder Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" vor kurzem, lag Italiens Anteil am Weltmarkt bei nur mehr 0,7 Prozent; für 2012 veröffentlichte die Tefaf-Studie jüngst einen Wert von exakt einem Prozent, der jedoch noch 2008 bei drei Prozent gelegen hatte.

Schwindende Umsätze

Und der Trend sei weiterhin rückläufig, wie Kunstexperte Paolo Manazza bestätigt. Aus Sicht der internationalen Player könnte der Marktplatz damit noch mehr als zuletzt an Attraktivität verlieren: Zwischenzeitlich beschränken Christie's und Sotheby's ihren operativen Einsatz in Mailand auf den Bereich zeitgenössischer Kunst. Die Devise "weniger ist mehr" hat sich dabei jedoch nicht bewahrheitet, vielmehr schrumpfen die Umsätze weiter.

Noch 2012 hatte Christie's nach zwei Auktionen einen Halbjahresumsatz von 11,06 Millionen Euro verbucht, aktuell notierte man über die April-Auktion (22.-23.4.) im gleichen Zeitraum nur noch 8,63 Millionen notieren. Ähnlich die Situation bei Sotheby's: Im Zuge der Frühjahrsauktion (22.-23.5.) wechselten 87 von insgesamt 151 offerierten Kunstwerken zum Gegenwert von 6,36 Millionen Euro den Besitzer, noch 2012 lag dieser Wert bei 9,86 Millionen (24.-25.5.2012).

"In Italien gibt es nur mehr ausländische Käufer, Italiener kaufen im Ausland", argumentiert Paolo Manazza. Trotz der flauen inländischen Nachfrage gibt es noch eine Marktnische, die floriert: Modernes Design. Das Versteigerungshaus Wannenes (Genua) erzielte bei seiner Sonderauktion (13.6.) Rekordzahlen und erhöhte den Umsatz im Vergleich zu 2012 um 150 Prozent. Asiaten und Amerikaner hätten zugegriffen, meinte Luca Violo, Pressesprecher von Wannenes. Für die Lampe von Ettore Sotsass sei Dank eines europäischen Privatsammlers wiederum ein Rekordpreis von 111.600 erzielt worden.

"Besonders Designstücke aus den 1950er- und 60er-Jahren sind gefragt" und der größte Konkurrent in dieser Nische sei "das Dorotheum in Wien", so Violo. Im Vergleich zu 2012 steigerte Wannenes den Halbjahresumsatz heuer um 16,3 Prozent auf 6,56 Millionen Euro. (tkb/kron, DER STANDARD, 6.7.2013)

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