Tod durch CO-Vergiftung: Cannabisplantagen-Besitzer verurteilt

5. Juli 2013, 11:32
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Abluftanlage "saugte" Kohlenmonoxid zurück in Wohnung: Mitbewohnerin beim Duschen erstickt

Wien - Ein 35-jähriger Pflegehelfer ist am Freitag am Wiener Straflandesgericht rechtskräftig zu einer Haftstrafe von einem Jahr, davon drei Monate unbedingt, verurteilt worden. Er wurde der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Umständen für schuldig befunden. Der Mann hatte für seine Cannabis-Plantage eine starke Abluftanlage installiert und den Abgaswächter der Kombi-Therme verhängt. Seine 26-jährige Mitbewohnerin ist deswegen beim Duschen erstickt.

Am 20. März 2012 stand der 35-Jährige gegen 8.30 Uhr auf, hörte, dass die Dusche rauschte, machte sich einen Kaffee, nahm einen Schluck - und verfiel plötzlich wieder in Tiefschlaf. "Ganz im Gegensatz zu meinen Gewohnheiten." Als er sieben Stunden später erwachte, lief die Dusche immer noch. Er klopfte an der Tür, öffnete diese schließlich, in dem er das Schloss aufbrach - und fand seine Mitbewohnerin nackt auf dem Boden liegend. Die Frau war tot, sämtliche Reanimationsversuche schlugen fehl.

Bekannte sich schuldig

"Ich bekenne mich schuldig, ich kann immer noch nicht fassen, was da passiert ist. Ich würde alles tun, um das ungeschehen zu machen", bekräftigte der Angeklagte vor Richterin Nicole Baczak. Seine Cannabis-Plantage war zu dem Unglückszeitpunkt erst im Entstehen, die Keimlinge für die rund 40 Pflanzen hatte der 35-Jährige kurz zuvor eingesetzt.

Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, das Risiko bewusst in Kauf genommen, zumal er den Abgaswächter der Kombi-Therme, der im Normalfall bei zu hoher CO-Konzentration die Anlage ausgeschaltet hätte, mit einer Socke verhängt hatte. Laut Gutachter trat beim Opfer dadurch der sogenannte Schneewittchen-Effekt ein, man schläft sich einfach in den Tod. Die Obduktion der Frau ergab, dass 60 Prozent der roten Blutfarbstoffe durch Kohlenmonoxid ersetzt war - eine tödliche Menge.

Richterin Baczak bezeichnete sowohl "Konstruktion als auch Konstellation als irrsinnig", der Angeklagte habe den "unnötigen Tod einer jungen Frau in Kauf genommen, nur damit sie kiffen können. Das ist eigentlich unerträglich." Der 35-Jährige sei "ein klassischer Fall für die Fußfessel", so Baczak. (APA, 5.7.2013)

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