Haberleitner träumt von mehr Dayli-Filialen

5. Juli 2013, 12:38
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Während der Ex-Eigentümer wilde Expansionspläne hat, mehren sich Spekulationen über staatsanwaltliche Ermittlungen

Die Drogeriemarktkette Dayli ist seit Donnerstag insolvent. Doch trotz 56 Millionen Euro Schulden gibt der Ex-Eigentümer und nunmehrige Geschäftsführer Rudolf Haberleitner seine Träume nicht auf. Er will bis zum Jahr 2016 die Zahl der Filialen von derzeit 783 auf 1.300 erhöhen, sagte er in der "ZiB 2" des ORF-Fernsehens. Das Sagen hat nun aber Masseverwalter Rudolf Mitterlehner, der Gelder für die Gläubiger sichert und eine Fortführung prüft.

Ob der neue Dayli-Eigentümer Martin Zieger selbst investiere oder über Dritte oder ob er nur vermittelnd auftrete, wisse er noch nicht. Es gebe aber bereits Interessenten für einen Einstieg bei dayli. Schon nächste Woche will Mitterlehner mit seinen vier Stellvertretern bekanntgeben, ob das Unternehmen fortgeführt werden kann oder nicht.

Thema für Staatsanwaltschaft

Da Haberleitner in der Öffentlichkeit noch immer so auftritt, als ob ihm das Unternehmen gehören würde, kursiert das Gerücht, er sei im Geheimen beteiligt. Haberleitner dementiert das. Auch die Übertragung der Anteile an Zieger kurz vor dem Insolvenzantrag am Donnerstag sorgt für Unmut. "Ich gehe davon aus, dass der Fall ein Thema für die Staatsanwaltschaft wird", wird Gerhard Weinhofer von der Creditreform in der "Presse" zitiert. 

Er bezieht sich dabei auch auf die Vorkommnisse in Italien, wo Haberleitner um eine Million Euro "erleichtert" wurde. "Wir haben gestern eine Anzeige der Polizei erhalten", wird ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz in der Zeitung zitiert. Dieser Mann soll bei einem Gespräch in Vorchdorf dabei gewesen sein, das unmittelbar vor dem Italien-Trip stattfand. Dort soll über die Geldübergabe gesprochen bzw. diese angebahnt worden sein.

Filialen schließen

Im Fernseh-Interview aufhorchen ließ Haberleitner mit der Aussage "Wir hätten die Gehälter bezahlen können, auch den 13.". Auf die Frage, warum er es dann nicht getan hat, meinte er, seine Anwälte hätten ihm davon abgeraten, weil ihn sonst Gläubiger wegen Bevorzugung hätten klagen können. So kommt nun die Allgemeinheit für die ausstehende Entlohnung auf.

Für die betroffenen Beschäftigten hat das Arbeitsmarktservice eine Hotline (0800 206 447) eingerichtet, die seit Freitag erreichbar ist.

Laut Sanierungsplan wird den mehr als 1.300 Gläubigern eine Quote von 25 Prozent angeboten. Mitterlehner wird sich anstrengen müssen, überhaupt so viel Geld aufzutreiben. Zunächst sollen laut dem noch von Haberleitner stammenden Plan verlustbringende Filialen geschlossen werden. Bis zum 13. September kann man Forderungen anmelden.

Angekratzte Marke

Experten bezweifeln, dass das Unternehmen, das an den Unternehmenssanierer Zieger verkauft wurde, den Turnaround schafft. An dem Namen Dayli festzuhalten, wo der nun mit Insolvenz und Jobverlusten verbunden werde, sei unglücklich, meinte die Unternehmensberaterin Hanna Bomba-Wilhelmi im Ö1-"Morgenjournal". Zudem würden die Leute nur wegen eines Zusatznutzens zu Dayli gehen. Nur wenn sich der Kunde sage "Das bekomme ich nur dort", werde das gelingen. Der Vorsprung der Konkurrenz sei enorm.

Mitarbeiter sollen Franchise-Nehmer werden

Dayli will es nun auch mit einem Franchise-System probieren. Für Verwunderung in der Branche sorgt Dayli allerdings mit dem Ziel, die Mitarbeiter selbst zu Franchise-Partnern zu machen. Von fünf Prozent Lizenzgebühren gemessen am Filialumsatz ist im Insolvenzantrag die Rede. Zudem sollen sie laut "Salzburger Nachrichten" die Waren vom Franchisegeber bestellen. Gegen einen Aufschlag von zehn Prozent.

Für die Unternehmensberaterin Bomba-Wilhelmi wurde dieser Plan in der Not geboren: "Das ist die Königsklasse im Handel. Es darf nicht den Anschein haben, dass man die Verantwortung auf Franchisenehmer abwälzt." Und auch Masseverwalter Mitterlehner hat damit keine Freude: "Kurzfristig ist das nichts."

Dayli beschäftigt in Österreich rund 3.400 Mitarbeiter, mehr als 1.000 sind es in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg. Für Italien soll es bereits eine Lösung geben. (APA/red, derStandard.at, 5.7.2013)

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    Gegenwärtig hat er nichts zu sagen, doch er bleibt wortgewaltig: Ex-Eigentümer Rudolf Haberleitner.

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