Grand-Prix-Boykott bei weiteren Reifenplatzern

5. Juli 2013, 11:45
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Sollten sich Silverstone-Probleme auf dem Nürburgring wiederholen - FIA erlässt detaillierte Reifenrichtlinie

Nürburgring - Auf Bitten von Hersteller Pirelli hat der Automobil-Weltverband (FIA) den Formel-1-Teams vor dem Grand Prix von Deutschland klare Anweisungen im Umgang mit den Reifen erteilt. Die FIA gab am Freitag vor dem ersten Freien Training auf dem Nürburgring die zulässigen Luftdruckwerte bekannt. Zudem wurden der maximale Winkel für den sogenannten Radsturz festgelegt und der Tausch von linken und rechten Hinterrädern strikt untersagt. Diese Faktoren hatten laut Pirelli-Angaben nach eingehender Fehleranalyse auch zu der Serie von gefährlichen Reifenplatzern beim Rennen vergangenen Sonntag in Silverstone geführt.

Weitere Reifenplatzer hätten einen sofortigen Boykott des Grand Prix von Deutschland zur Folge. Diese drastische Maßnahme haben die Piloten am Donnerstagabend vor dem Rennen auf dem Nürburgring beschlossen. Zuletzt in Silverstone waren gleich fünf Reifen gefährlich abgegangen. Die vermeidbaren Probleme würden "das Leben der Fahrer, Streckenposten und Fans gefährden", betonte die Fahrervereinigung GPDA am Abend in einer eindringlichen Stellungnahme.

In Silverstone waren im Rennen innerhalb kurzer Zeit die linken Hinterreifen an drei verschiedenen Autos förmlich explodiert. Schon im Training hatte es einen Fall gegeben, kurz vor Ende des Rennen einen weiteren. Der Ausrüster Pirelli kündigte nach einer eingehenden Fehleranalyse bereits für den Nürburgring überarbeitete Reifen an. Eine Kevlarschicht soll das bisher verwendete Stahlband ersetzen, um Überhitzungen an der Innenschulter zu vermeiden.

Rückkehr nach Silverstone

Die FIA veränderte daraufhin als Sofortmaßnahme das Reglement. Der ursprünglich den Nachwuchsfahrern vorbehaltene Test in zwei Wochen in Silverstone wurde für alle Piloten geöffnet, um Reifen auszuprobieren - wenngleich nicht alle Fahrer begeistert sind, auf die gefährliche Strecke zurückzukehren.

Ferrari-Star Fernando Alonso etwa will sein Leben nicht noch einmal aufs Spiel setzen, war er doch schon beim Grand Prix von Großbritannien nur knapp einem wegfliegenden Reifenteil des McLaren von Sergio Perez entgangen. In der Formel 1 hat binnen weniger Tage eine neue Sicherheitsdiskussion eingesetzt. Die Erinnerung an den schweren Unfall von Alonsos Ferrari-Teamkollegen Felipe Massa, der 2009 in Ungarn von einer Feder schwer im Gesicht verletzt worden war, lebt.

Die Grenzen akzeptabler Gefahr

"Wir sind dazu bereit, unsere Autos bis ans Limit zu bringen, so wie wir es immer tun, und wie es von unseren Teams, Sponsoren und Fans verlangt wird", gab die GPDA nach der Fahrersitzung am Donnerstagabend auf dem Nürburgring bekannt. Die Pilotenvereinigung schränkte aber gleich im nächsten Satz ein: "Die Fahrer haben sich dazu entschlossen, sich sofort von der Veranstaltung zurückzuziehen, sollten ähnliche Probleme beim Deutschland-Grand-Prix auftreten."

Schon nach dem Silverstone-Fiasko hatten einige Fahrer laut über einen Boykott nachgedacht, in der Eifel hatte es zuletzt aber nach Entspannung der Situation ausgesehen. Fast alle Piloten äußerten ihr Vertrauen in Pirelli, dass der Hersteller die Probleme in den Griff bekommen werde. Zuletzt hatten 2005 in Indianapolis Probleme mit den Michelin-Reifen für eine GP-Farce gesorgt. Damals waren nur die drei mit Pneus des Konkurrenten Bridgestone ausgerüsteten Teams zum Rennen angetreten. (APA, 4.7.2013)

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    So rund und vollständig sollten Formel-1-Reifen im Normalfall aussehen

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