Mysteriöse Signale aus dem All

4. Juli 2013, 21:03
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Ultrakurze Strahlenausbrüche zeugen von extremem Ereignis in weiter Ferne - Astrophysiker rätseln über Ursprung und Ursache

Washington – Sie kommen bestimmt nicht von der Erde. Das konnten die Forscher weitgehend ausschließen. Im Gegenteil: Ihr Ursprung liegt wahrscheinlich in einer anderen Galaxie, Milliarden Lichtjahre entfernt. Als sie ausgesendet wurden, zählte das Universum erst die Hälfte des jetzigen Alters. Es handelt sich um ultrakurze elektromagnetische Impulse, Strahlenausbrüche, nur wenige Millisekunden lang, die die Wissenschaft vor ein Rätsel stellen.

Dan Thornton von der University of Manchester und seine Kollegen konnten mithilfe des Parkes-Observatoriums in Australien bisher vier dieser ultrakurzen Signale ausmachen, die sich alle mindestens 40 Grad über der galaktischen Ebene befinden. Der Charakter der Strahlenausbrüche deute darauf hin, dass sie von einem extremen astrophysikalischen Ereignis stammen, sagt Thornton, und dass große Mengen an Masse oder Energie beteiligt sind.

Sie ähneln den Signalen, die Pulsare, schnell rotierende Neutronensterne, aussenden. Bisher sind aber nur die Signale von Pulsaren aus der Milchstraße und ihrer Umgebung bekannt. Weiter entfernte Pulsare können nicht wahrgenommen werden, weil ihr Output zu schwach ist. Die nun gemessenen Strahlenausbrüche scheinen aber aus Distanzen von bis zu elf Milliarden Lichtjahren, also weit außerhalb unserer Galaxie, zu kommen, berichten die Forscher im Fachjournal "Science".

Täglich 10.000 Ausbrüche

Besonders bemerkenswert: Aus dem Datenmaterial sei ableitbar, dass täglich 104 solcher Ausbrüche verteilt über den ganzen Himmel vorkommen. "Mit aktuellen Teleskopen muss man Glück haben, dass man sie zur richtigen Zeit auf den richtigen Platz am Himmel richtet", sagt Thorntons Kollege Michael Kramer.

Die Signale könnten von der Strahlung schwarzer Löcher herrühren, von Supernovae, von verschmelzenden Neutronensternen oder von ebensolchen mit äußerst starkem Magnetfeld, sogenannten Magnetaren. Sie könnten auch aus dem Zentrum einer Galaxie, wo Sterne in ein supermassives schwarzes Loch stürzen, stammen, spekulieren die Wissenschafter. Oder sie stammen von einem bisher noch völlig unbekannten Phänomen. Weitere Untersuchungen der Strahlenimpulse sollen nicht nur ihren Ursprung klären, sondern auch Aufschluss über die Eigenschaften des Raums zwischen den Galaxien geben, so die Forscher. (pum, DER STANDARD, 5.7.2013)

  • Die vier beschriebenen Quellen mit kurzzeitigen Radiostrahlungsausbrüchen wurden mit dem CSIRO-Parkes-Radioteleskop in Australien aufgefunden.
    foto: swinburne astronomy productions/ astronomy.fas.harvard.edu/skymaps/halpha

    Die vier beschriebenen Quellen mit kurzzeitigen Radiostrahlungsausbrüchen wurden mit dem CSIRO-Parkes-Radioteleskop in Australien aufgefunden.

  • Die Radiokarte zeigt den gesamten Himmel. Die unerklärlichen Strahlungsblitze wurden mit roten Sternen markiert. Die schwarzen Punkte sind im Rahmen des High Time Resolution Universe Survey (HTRU) neu entdeckten Objekte, wie etwa Pulsare.
    foto: mpifr / c. ng

    Die Radiokarte zeigt den gesamten Himmel. Die unerklärlichen Strahlungsblitze wurden mit roten Sternen markiert. Die schwarzen Punkte sind im Rahmen des High Time Resolution Universe Survey (HTRU) neu entdeckten Objekte, wie etwa Pulsare.

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