Die beste Serie der Welt

4. Juli 2013, 17:33
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Mit Verspätung beginnt nun der ORF, und der Zeitpunkt wäre nicht am schlechtesten gewählt

Am Sonntag startet im ORF die "beste Serie der Welt". So nennt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" das zehnteilige Politdrama "Borgen", und mit Einschränkungen ist dem zuzustimmen. Wer das Zusammenspiel von Politik und Medien verstehen will, wer sehen will, welche Ränke politischen Entscheidungsprozessen vorangehen und welche Bedeutung die Öffentlichkeit dabei spielt, soll, ja muss zusehen. Man mag es Zugeständnissen ans spannungsverwöhnte Publikum zuschreiben, dass mancher Handlungsstrang eine Spur zu platt geraten ist, darüber lässt sich hinwegsehen.

Drei Staffeln von Borgen gibt es, die Serie lief bereits vor fast eineinhalb Jahren auf Arte. Mit Verspätung beginnt nun der ORF, und der Zeitpunkt wäre nicht am schlechtesten gewählt: Nationalratswahlen im Herbst stehen bevor, und es zeigt sich, dass zumindest im politischen Dänemark nicht ganz weit weg von anderen europäischen Staaten ist, also auch nicht von Österreich. Insofern könnte Borgen als politisches Bildungsprogramm definiert werden, und als solches verdiente es einen entsprechenden Programmplatz. Den gibt es, denn es ist Sommer, viel vom Regulären macht Pause.

Zum Beispiel der "Tatort", Sonntagabend. Besser geht's ja wohl nicht: eine treue Seher­gemeinde, die mit einem hervorragenden Ersatzprogramm belohnt wird. Kundenbindung! Oder am selben Tag, statt "Im Zentrum": Qualitätsprogramm ersetzt Qualitätsdiskussion, niemand wird etwas dagegen einzuwenden haben. Aber, was passiert: "Borgen", die beste Serie der Welt, läuft am Sonntag im ORF um 22.50 Uhr, zu einer Zeit, in der arbeitende Menschen garantiert keine Chance zum Zuschauen haben. Verschenkt. (Doris Priesching, DER STANDARD, 5.7.2013) 

  • "Borgen": Ab Sonntag, 22.50 Uhr, ORF 2
    foto: orf/bavaria/mike kollöffel

    "Borgen": Ab Sonntag, 22.50 Uhr, ORF 2

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