Die britische Hoffnung in Wimbledon ist bereit

5. Juli 2013, 13:30
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Andy Murray schickt sich nach 77 Jahren an, Großbritannien einen Wimbledon-Sieg zu schenken - Lisicki und Bartoli bestreiten das Damen-Finale

Wimbledon - Dieser einzigarten Chance in Wimbledon wird Jürgen Melzer noch einmal kurz nachtrauern. Der Pole Jerzy Janowicz, Melzers Gegner im Achtelfinale, spielt am Freitag, vor den Augen der tennisaffinen britischen Öffentlichkeit gegen Lokalmatador Andy Murray um den Einzug ins Finale. Es ist ein bisschen viel Konjunktiv, aber viel hätte nicht gefehlt, und Melzer hätte diesen Platz am Centre Court einnehmen können. Der 32-jährige Niederösterreicher hatte gegen Janowicz alle Chancen, unterlag nur knapp im fünften Satz. Und dank des frühen Favoritensterbens bei den All England Tennis Championships wäre im Viertelfinale auch der Pole Lukasz Kubot, die Nummer 130 der Welt, ein durchaus schlagbarer Gegner gewesen.

Damit wären wir im Indikativ angelangt: Mit Tränen in den Augen feierte Janowicz den erstmaligen Aufstieg eines polnischen Tennisspielers in das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Mit seinem Freund Kubot tauschte er, unüblich im Tennis und erst recht im vornehmen Wimbledon, die weißen Dressen aus. Glücklich war auch sein kommender Gegner Murray: Der Weltranglistenzweite hatte ein verloren geglaubtes Match gegen den Spanier Fernando Verdasco nach 0:2-Satzrückstand noch heroisch in 3:27 Stunden umgedreht. "Gratuliere Andy", schrieb die Zeitung Daily Telegraph. "Aber bitte tu uns das nicht noch mal an."

Enorme Erwartungshaltung

Die Erwartungshaltung, die auf dem 26-jährigen Schotten lastet, ist enorm. 77 Jahre wartet Großbritannien bereits auf einen Sieg eines Lokalmatadors beim prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt. Zuletzt ist das Fred Perry 1936 gelungen, dem zu Ehren eine Statue auf der Anlage an der Church Road errichtet wurde. Die Hoffnung der Landsleute konnte Murray in den vergangenen Jahren nicht erfüllen, auch wenn er immer knapp dran war. So steht er in Wimbledon zum fünften Mal en suite im Halbfinale. Im Vorjahr schaffte er es als erster Brite seit 1938 ins Endspiel, wo er gegen den Schweizer Roger Federer verlor. Auf Wimbledoner Rasen hat Murray aber schon einmal triumphiert. Beim olympischen Tennisturnier von London gelang dem Schotten nur einen Monat nach seiner bisher bittersten Niederlage die vielumjubelte Revanche.

Rhetorische Frage

"Glaube ich, dass ich gewinnen kann?", fragte sich der Gewinner von 27 Turnieren diesmal im Vorfeld von Wimbledon selbst. "Die Antwort ist: Ja!" Die Siegermentalität hat ihm sein Coach, der achtfache Grand-Slam-Sieger Ivan Lendl, eingeimpft. Murray steigerte sich seit Beginn der Zusammenarbeit Anfang 2012 sukzessive: Nach dem Erfolg bei Olympia gewann Murray bei den US Open seinen ersten Major-Titel. Bei den Australian Open Anfang dieses Jahres war erneut Novak Djokovic der Endspielgegner, damals musste sich Murray aber dem serbischen Weltranglistenersten geschlagen geben.

Die beiden könnten auch im Finale von Wimbledon aufeinandertreffen. Djokovic trifft heute ab 14 Uhr in der Runde der letzten Vier auf den angeschlagenen Juan Martin del Potro. Der Argentinier steht zum ersten Mal seit seinem Sieg bei den US Open 2009 im Halbfinale eines Majors. Den Viertelfinalsieg über den Spanier David Ferrer hat sich Del Potro unter Schmerzen erkämpft: Mit seinem ohnehin lädierten linken Knie war er gleich zu Beginn der Partie umgeknickt, er konnte nur dank Schmerzmitteln weitermachen.

Bryans auch an der Schwelle der Historie

Geschichte schreiben könnten auch Bob und Mike Bryan. Die US-Zwillingsbrüder haben sich mit einem Fünfsatz-Halbfinalerfolg gegen Rohan Bopanna/Edouard Roger-Vasselin (IND/FRA) in ihr viertes Major-Endspiel en suite gespielt. Gewinnen sie es gegen Ivan Dodig/Marcelo Melo (CRO/BRA-12), halten sie als erstes Doppel alle vier Titel der Grand-Slam-Turniere plus Olympia-Gold zur selben Zeit.

Lisicki vs Bartoli

Das Finale der Damen bestreiten am Samstag die Deutsche Sabine Lisicki, die bereits Titelverteidigerin Serena Williams eliminiert hat, und die Französin Marion Bartoli. Lisicki besiegte die Polin Agnieszka Radwanska 6:4, 2:6, 9:7, Bartoli die Belgierin Kirsten Flipkens 6:1, 6:2. (krud, sid, DER STANDARD, 5.7.2013, online aktualisiert)

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    Lokalmatador Andy Murray hat den Triumph in Wimbledon im Blick. Der Schotte steht zum fünften Mal en suite im Halbfinale.

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    Marion Bartoli feiert den Einzug ins Damen-Finale

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