Kroatiens Franken-Kredite machen Banken unfroh

4. Juli 2013, 15:23
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Ein Gericht entschied, dass Franken-Kredite in die Landeswährung Kuna umzuwandeln sind. Die Banken wollen berufen

Internationale Banken plagen sich nun auch in Kroatien mit Frankenkrediten herum. Acht Banken, darunter die österreichischen Erste Group, Raiffeisen und UniCredit, müssen die Fremdwährungskredite im jüngsten EU-Land in die Landeswährung Kuna umwandeln. Das entschied das kroatische Handelsgericht in Zagreb am Donnerstag. Noch ist die Entscheidung nicht rechtsgültig. Mehrere Banken kündigten schon an, dagegen zu berufen.

Für mehr als 100.000 Kroaten, die einen Frankenkredit aufgenommen haben, ist es dennoch ein historischer Tag. Hinter der Entscheidung steckt eine Klage einer Verbraucherschutzorganisation. Sie vertritt die 100.000 Betroffenen, die in den vergangenen Jahrzehnten variabel verzinste Kredite in Schweizer Franken aufgenommen hatten. Die meisten bauten damit Häuser oder kauften Wohnungen.

Die Rückzahlungsraten stiegen aber wegen des starken Schweizer Frankens kontinuierlich an, im Durchschnitt um 50 Prozent. Außerdem erhöhten die Banken die Kreditzinsen – höhere Kapitalkosten und steigende Geldmarktzinsen wurden dafür als Grund genannt.

Acht Banken betroffen

Insgesamt acht Banken (Unicredit, Erste Group, Raiffeisen Bank International, Hypo Alpe Adria, OTP, Sberbank, Societe General) sollen nun die Kredite in Kuna umzuwandeln.

Das Handelsgericht wirft den Banken vor, die Kreditzinsen zum Nachteil ihrer Kunden verändert zu haben. "Das war gegen das Gesetz für Verbraucherschutz. Ein solches Verhalten von Banken ist künftig verboten", sagte Richter Radovan Dobronić. Zudem hätten die Banken die Konsumenten nicht ausreichend über die Kredite informiert. Welche Kosten nun auf die Banken zukommen könnten, blieb zunächst unklar. Das dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die Banken die Franken-Kredite zu Marktpreisen in Kuna umwandeln.

Als ausländische Banken vor zwei Jahren in Ungarn Frankenkredite in Forint umwandeln mussten, setzte die ungarische Regierung dafür einen Preis weit unter dem Marktwert an. Auf den so entstandenen Verlusten blieben die Banken sitzen.

Sollte das Urteil in Kroatien rechtskräftig werden, würde das den Boden für weitere Klagen gegen Banken und ihre Frankenkredite bereiten. (Reuters/red, derStandard.at, 4.7.2013)

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