Gerolsteiner-Teamarzt will nur Placebos verabreicht haben

4. Juli 2013, 15:05
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Ehemaliger Mannschaftsarzt sagte vor Gericht aus, er habe die Athleten nur im Glauben gelassen, gedopt zu sein

Ein früherer Mannschaftsarzt hat nach eigenen Angaben beim ehemaligen deutschen Radteam Gerolsteiner nie Dopingmittel verabreicht und sich dabei einer ungewöhnlichen Strategie bedient. Der Mediziner behauptete am zehnten Verhandlungstag im Betrugsprozess gegen Ex-Profi Stefan Schumacher in Stuttgart, dass er einem Radprofi Placebos anstelle des vom Sportler gewünschten Dopingmittels Synacthen verabreicht habe.

Er habe den Athleten "im Glauben gelassen", dass es sich um das verbotene Präparat gehandelt habe, sagte der als Zeuge geladene Arzt. Dopingmittel habe er nie verabreicht. "Ich kann für mich reinen Gewissens sagen, dass ich das Risiko nie eingegangen bin."

Erste Aussage eines Arztes

Er war der erste Arzt, der bei dem Prozess Rede und Antwort stand. Der damals leitende Teamarzt, der ebenfalls am Donnerstag hätte aussagen sollen, ließ sich mit dem Hinweis auf eine Urlaubsreise entschuldigen. Am Mittwoch hatte ein weiterer Ex-Teamarzt per Fax erklärt, dass er bis zum 3. Juli Urlaub mache und deshalb nicht aussagen könne.

Schumacher wird vorgeworfen, sich Gehalt von mehr als 150.000 Euro erschlichen zu haben. Trotz Nachfrage habe er 2008 Doping bei der Tour de France geleugnet. Später war er als Dopingsünder überführt worden. Bei Gerolsteiner fuhr Schumacher auch mit dem Tiroler Georg Totschnig (2006) und dem ebenfalls bei der Frankreich-Rundfahrt vor fünf Jahren positiv auf Cera getesteten Niederösterreicher Bernhard Kohl. (APA, 4.7.2013)

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