Rabbiner-Beschimpfung in Wien bleibt ohne Folgen

4. Juli 2013, 17:53
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Nazi-Hooligan nie ausgeforscht, Verfahren gegen Polizisten eingestellt

Wien - Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass nicht jedes Vergehen geklärt und geahndet werden kann: Im konkreten Fall betrifft es die antisemitische Beschimpfung eines Rabbiners auf dem Wiener Schwedenplatz im Vorjahr. Vor allem der Umstand, dass mehrere Polizisten Ohrenzeugen der "Heil Hitler"-Rufe geworden sein und nichts unternommen haben sollen, sorgte für Empörung. Laut orf.at wurden die Verfahren gegen die Beamten wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch längst eingestellt.

Der Nazi-Hooligan konnte nie ausgeforscht werden. Die Polizei vermutet, dass es sich um einen griechischen Fußballfan handelte, der Vorfall ereignete sich im Vorfeld eines Matches zwischen SK Rapid und Paok Saloniki. Die Polizei war mit einem Großaufgebot ausgerückt, um die Schlachtenbummler auseinanderzuhalten. Auf die verbale Attacke auf den Rabbiner hatte aber niemand reagiert.

"Regelrechtes Schockerlebnis"

"Mit antisemitischen Beschimpfungen auf offener Straße bedacht zu werden gehört leider zum Alltag für Wiener Juden. Dass dies jedoch in tatsächlicher Präsenz von Polizeibeamten geschieht, war eine Premiere für mich. Dass diese Polizisten tatenlos zusehen und auch noch grinsen, ein regelrechtes Schockerlebnis", schrieb der Rabbiner damals in einem E-Mail-Protokoll an die Wiener Polizei.

In der Folge hatte das polizeiinterne Büro für besondere Ermittlungen das Verhalten eines konkreten Beamten geprüft. Die Staatsanwaltschaft kam schließlich zu dem Ergebnis, dass "bei gegebener Beweislage kein strafbares Verhalten festgestellt werden konnte", wie es am Donnerstag eine Sprecherin der Anklagebehörde formulierte.

Dem Beamten könne weder vorsätzliches Handeln noch ein wissentlicher Befugnismissbrauch nachgewiesen werden. Auch disziplinarrechtliche Konsequenzen gab es nicht. Ein zweites Verfahren gegen mehrere unbekannte Beamte wurde abgebrochen, weil die Identitäten nicht ausgeforscht werden konnten. (simo, DER STANDARD, 4.7.2013)

 

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    30. August 2012, Wiener Schwedenplatz: Die Polizei schirmt Paok-Saloniki-Fans ab

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