Spionage durch Bildschirmabstrahlung und Laserattacken auf Fenster

4. Juli 2013, 13:55
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Beim Ausforschen von Gebäuden gibt es viele Möglichkeiten

In der US-Spionageaffäre geht es nicht nur um Datennetze. Auch Berichte über Lauschangriffe des Geheimdiensts NSA auf Botschaften und Einrichtungen der EU sorgen seit Tagen für Aufruhr. Agenten steht für derartige Missionen ein ganzes Arsenal von Möglichkeiten zur Verfügung - darunter solche, die mit dem klassischen "Hacken" von Computernetzwerken nichts zu tun haben.

Die Erfassung elektromagnetischer Geräteabstrahlung:

Computer und Bildschirme strahlen elektromagnetische Wellen ab, aus denen sich mit geeigneter Technik selbst aus einer Entfernung von dutzenden Metern und durch Wände hindurch Informationen gewinnen lassen. Diese "kompromittierende Abstrahlung", mit der sich unter anderem die Darstellung geheimer Dokumente auf einem Bildschirm rekonstruieren lässt, ist Experten schon seit Jahrzehnten unter dem Schlagwort "Tempest" bekannt.

Bei modernen LCD-Flachbildschirmen mit DVI- oder HDMI-Schnittstellen ist das Problem nach Angaben des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teils sogar noch akuter als bei alten Röhrengeräten. Selbst die Bauteile im Inneren eines Notebooks sondern demnach verräterische Strahlung ab und dienen so als Einfallstor für Spionage. Auch metallische Kabel und Leitungen leiten diese Wellen dem BSI zufolge wie Antennen weiter - und strahlen sie sogar klarer und weiter ab als die Endgeräte selbst.

Computer lassen sich zwar generell gegen die unerwünschte Abstrahlung abschirmen, bei der Nutzung für geheime Behördenunterlagen gelten gewisse Schutzstandards. Die Sicherung von kompletten Gebäuden aber ist sehr teuer und aufwendig. Die NSA-Zentrale in Ford Meade in den USA etwa verfügt nach Angaben von Experten unter ihrer schwarzen, spiegelnden Außenhaut über eine zweite kupferne Schutzhülle, die elektromagnetische Strahlung stoppt.

Das Abhören von Gebäuden mittels Materialschwingungen:

Gespräche in einem Gebäude lassen sich auf sehr verschiedene Weise belauschen. Immer noch im Einsatz ist dabei die klassische Wanze, die sich heimlich in Rauchmeldern oder in Blumentöpfen platzieren lässt. Es gibt allerdings auch ganz andere Möglichkeiten: Sie basieren darauf, dass sich Schall nicht nur durch die Luft fortsetzt, sondern auch Oberflächen zum Schwingen bringt.

Mit Körperschallmikrofonen lassen sich derartige Vibrationen etwa von einem Nachbarbüro aus über Rohre einer Heizungs- oder Klimaanlage abgreifen und aufzeichnen. Längst bekannt ist auch die Variante, die Schwingungen einer Fensterscheibe mit hochempfindlichen Laserstrahlen abzutasten und so ein Gespräch aus sicherer Entfernung zu belauschen.

Zur Abwehr solcher Angriffe kommen unter anderem Rauschgeneratoren zum Einsatz, die Schallwellen in Räumen überlagern. Gegen das Abtasten per Laser helfen Resonanzmodulatoren, die Glas in Schwingungen versetzen. Der US-Geheimdienstexperte James Bamford berichtete einst, dass das Fenster im Büro des NSA-Chefs aus mehreren Glasschichten besteht. In dem Zwischenraum werde dann Musik abgespielt, um Laser zu irritieren.

Zugriff auf sensible Informationen über Telefonanlagen oder Faxgeräte:

In jedem Büro stehen Faxgeräte, Drucker und Telefonanlagen, die sich ebenfalls für Spionagezwecke nutzen lassen. Viele Faxgeräte und Drucker legen Dokumente ohnehin in internen Puffer-Speichern ab, wo sie als "Restinformationen" eine gewisse Zeit abgegriffen werden können. Agenten, die sich etwa als Mitarbeiter von Wartungsfirmen für die häufig nur gemieteten Geräten tarnen, könnten sie ohne weitere technische Mittel rekonstruieren.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Abhörtechnik direkt in die Endgeräte einzubauen oder deren Software für externe Zugriffe zu modifizieren. Telefonanlagen oder Handys können so auch zum Abhören von Räumen genutzt werden. Durch Fernwartungs-Optionen in modernen Telekommunikations-Anlagen ist ein Anzapfen möglich, ohne ein Gebäude zu betreten. So berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass der mutmaßliche Lauschangriff der NSA auf die EU in Brüssel aufgefallen sei, weil verdächtige Anrufe am Anschluss für die Telefon-Fernwartung eingingen. (APA, 4.7. 2013)

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