Mitteleuropa entkommt der Krise nicht

4. Juli 2013, 14:41
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Slowenien, Kroatien und Tschechien sind in die Rezession gerutscht. Experten bereitet vor allem das neue EU-Land sorgen

Wien – Mittel- und Osteuropa (CEE) kommt nur schleppend aus der wirtschaftlichen Krise heraus. Erst für 2014/15 wird eine allmähliche, aber schwache Wachstumsbeschleunigung erwartet, prognostiziertdas Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsentwicklungen (WIIW). "Europa hat sich in gewisser Weise abgekoppelt von den globalen Entwicklungen", erklärte Instituts-Direktor Michael Landesmann. Er erwartet eine sanfte Erholung der Wirtschaft, aber mit Abwärtsrisiken.

Exporte leiden

Die neuen Mitgliedsländer seien nicht so stark abgesunken wie die Eurozone, aber parallel dazu, so Landesmann. Die wirtschaftliche Umgebung brachte den CEE-Volkswirtschaften eine sehr starke Abschwächung der Exportwirtschaft, als Ausnahmen von dieser Entwicklung nannte er u.a. Serbien, Rumänien und Albanien, wo es zuletzt Exporterfolge gab.

Für drei CEE-Länder prognostizieren die WIIW-Ökonomen auch 2013 eine Rezession: Am stärksten ist das angeschlagene Slowenien betroffen – vor der Krise noch Musterschüler der Region -, dessen Wirtschaft auch 2014 weiter schrumpfen dürfte. Aber auch die Volkswirtschaften Tschechiens und Kroatiens – letztere bezeichnet Landesmann als "Sorgenkind in Südosteuropa" – stecken heuer in der Rezession, werden 2014 aber wieder leicht wachsen, geht aus der Prognose hervor. Eine Wachstumsverlangsamung sehen die WIIW-Experten neben den baltischen Staaten und Russland vor allem aber in der Ukraine.

Rucksack Staatsverschuldung

Die CEE-Region leidet Landesmann zufolge etwa unter dem niedrigen Eurozone-Wachstum, knappen Kreditvergaben, der schlechten Arbeitsmarktentwicklung gekennzeichnet durch einen Rückgang der Beschäftigung und eine sehr stark steigende Arbeitslosigkeit, sowie einer restriktiven Fiskalpolitik. Die Staatsverschuldung sei in erster Linie wegen des nicht in Gang kommenden Wirtschaftswachstums problematisch, nicht so sehr wegen der Entwicklung der Staatsschulden.

Das Wachstum sei zunehmend abhängig von der einheimischen Nachfrage, was allgemein zu einem sehr schwierigen Wachstumsklima führe, so der WIIW-Ökonom. Trotz der lockeren Geldpolitik der Notenbanken kommt das Geld nur teilweise bei der Wirtschaft an. Die Zinsen vor allem für Klein- und Mittelunternehmen seien im Vergleich zu den Zinsen auf Staatsanleihen noch immer zu hoch.

Die Fiskalpolitik sei immer noch prozyklisch, besonders sichtbar bei der Entwicklung der öffentlichen Investitionen, kritisierte Landesmann. Impulse würden weiter abnehmen, was auch negative Auswirkungen auf die öffentlichen Investitionen habe. Allerdings geht Landesmann nicht davon aus, dass sich die Situation bei den Staatsschulden verbessern werden, solange es kein substanzielles Wachstum gibt.

Schmerzhafte Anpassung

Das Ausscheiden Kroatiens aus der Freihandelszone CEFTA als Folge der EU-Mitgliedschaft wird nach Ansicht des WIIW-Experten Mario Holzner keine dramatische Veränderungen für die Handelsströme des EU-Neulings mit sich bringen. Schon jetzt gehen 60 Prozent der kroatischen Exporte in die EU, künftig dürften sie um 2,2 Prozentpunkte zulegen. Rund ein Fünftel der kroatischen Ausfuhren geht in die CEFTA-Staaten am Westbalkan. Hier rechnet er mit einem Rückgang um 0,7 Prozentpunkte.

"Der Eurozone ist es jetzt bewusst geworden, dass sie keine optimale Währungszone ist, Ökonomen wissen das schon lange", so Landesmann. Deshalb werde nun versucht, die makrökonomischen Ungleichgewichte zu verhindern. Das bedeute für einzelne Länder Anpassungsprozesse, die bisher an solche Ungleichgewichte gewohnt waren. (APA, 4.7.2013)

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    Die Erholung von der Krise dauert in Mitteleuropa. Abstürze nicht auszuschließen.

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