EZB verspricht noch lange billiges Geld

4. Juli 2013, 16:22
26 Postings

Seit Mai liegt der Leitzins bei rekordverdächtigen 0,5 Prozent

Frankfurt - Von der Hektik rund um den angedachten Ausstieg der US-Notenbank aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik hat sich Mario Draghi nicht anstecken lassen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und sein Direktorium belassen den Leitzins auf seinem historischen Tiefststand von 0,5 Prozent. Der "Exit" - so nennen die Fachleute die Entwöhnung der Finanzwirtschaft von der jahrelangen Geldschwemme - dürfte in der europäischen Währungsunion noch "in ferner Zukunft" liegen.

Die drohende Rückkehr der Schuldenkrise zwingt die EZB zu bislang nicht gekannter Offenheit und macht eine weitere Zinssenkung wahrscheinlich. "Der EZB-Rat geht davon aus, dass der Schlüsselzins in der Euro-Zone noch für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder auch einem niedrigeren Niveau bleibt", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag und schickte damit den Euro auf Talfahrt. Mit anderen Worten: Die Europäische Zentralbank (EZB) legt sich für die nächste Zeit auf einen ultralaxen geldpolitischen Kurs fest, schließt niedrigere Zinsen nicht aus und betritt mit ihrer ungewohnten Klarheit Neuland wie vor ihr nur das US-Pendant Federal Reserve (Fed). Die Notenbank werde ihren konjunkturstützenden Kurs so lange wie nötig fortsetzen, so Draghi.

Effektiver Schutz Anleihenkäufe

Die von der EZB vergangenen Sommer in Aussicht gestellten unbegrenzten Anleihe-Käufe kriselnder Staaten seien "nach wie vor ein effektiver Schutz" vor einer Eskalation der Krise, sagte Draghi. Das entsprechende, im Fachjargon OMT genannte Programm sei starklar und könne jederzeit aktiviert werden, sollte ein Land unter den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen. Mit der Konjunktur zeigte sich Draghi nur mäßig zufrieden. Die Wirtschaft schwäche sich zwar weiter ab, aber nicht mehr so stark wie zuletzt. Er erwarte aber im Laufe des kommenden Jahres eine Erholung der Konjunktur.

Ulrich Wortberg von der Helaba glaubt, dass die EZB bei Bedarf ganz schnell an der Zinsschraube drehen kann: "Neu ist die Ankündigung, das Zinsniveau auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau für einen längeren Zeitraum zu halten. Damit versucht die EZB das Rendite-Niveau zu drücken und sich von den USA abzukoppeln. Zudem ist die Tür für eine Zinssenkung bei einer der kommenden Ratssitzungen weit geöffnet." (red/Reuters, derStandard.at, 4.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bald wird das neue EZB-Gebäude in Frankfurt fertig sein. Ob es dahin eine weitere Zinssenkung gibt?

Share if you care.