Neue Technik für Knochenverlängerung

4. Juli 2013, 12:44
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Am Wiener AKH wurde erstmals ein magnetbetriebener Teleskopnagel implantiert, dessen Motor ohne Kabel und Empfänger auskommt

Wien - In Folge einer Beinverletzung passiert es immer wieder, dass nach der Ausheilung das verletzte Bein kürzer ist als das andere. Wenn die Differenz mehr als zwei Zentimeter beträgt, ist eine Beinverlängerung indiziert, denn sonst können Folgebeschwerden in Hüfte und Wirbelsäule auftreten. Für solche Beinverlängerungen kommen sogenannte Teleskopnägel zum Einsatz. Nun wurde ein neues Modell österreichweit erstmals am Wiener AKH in einen Unterschenkel implantiert. 

Künstliche Wachstumsfuge

Knochenheilung und -neubildung sind lebenslange Fähigkeiten des Körpers, die sich die Chirurgen bei Beinverlängerungen zunutze machen. Dabei wird der Knochen chirurgisch durchtrennt und so eine künstliche Wachstumsfuge geschaffen. Eine Möglichkeit, den Knochen zu strecken, ist der sogenannte Ringfixateur. Der sperrige, äußere Rahmen kann die Lebensqualität allerdings erheblich einschränken.

Eine andere Möglichkeit sind Teleskopnägel, die in den Markraum des Knochens eingesetzt und täglich um einen Millimeter ausgefahren werden. Wie diese Verlängerung vorgenommen wird, hängt vom Modell ab. Frühere Modelle verfügen über eine Zahnradmechanik. Der Nagel wird ausgefahren, indem das Bein um seine Achse nach links und rechts gedreht wird, was für frisch operierte Patienten aber schmerzhaft sein kann. Neuere Modelle verfügen über einen Elektromotor. Damit dieser über ein außenstehendes Gerät gesteuert werden kann, bedarf es eines unter der Haut liegenden Empfängers, der über ein Kabel mit dem Motor verbunden ist, was für den Patienten aber unangenehm ist.

Erfolgreiche Erstoperation

Das neue im AKH Wien eingesetzte Modell funktioniert mithilfe eines magnetbetriebenen Motors. Die Fernsteuerung interagiert direkt mit dem Antrieb, wodurch Kabel und subkutaner Empfänger entfallen. Ein weiterer Vorteil des Modells ist, dass es nicht nur aus- sondern auch wieder eingefahren werden kann. Wenn beispielsweise in der Achillessehne ein Spannungsgefühl entsteht, kann die Situation einfach modifiziert werden.

Die Erstoperation wurde an einem 59-jährigen Patient durchgeführt, der infolge eines Schifunfalls im Alter von 18 Jahren ein um 3,5 Zentimeter verkürztes Bein hatte. Bisher behalf er sich mit einem Schuhausgleich. "Der Eingriff ist planmäßig verlaufen. Mit der Verlängerung beginnen wir in wenigen Tagen und in voraussichtlich einem Monat wird der Patient gleich lange Beine haben. Dann kann er zum ersten Mal seit 40 Jahren ohne Schuhausgleich gehen", sagt Chirurg Gerald Wozasek. (red, derStandard.at, 4.7.2013)

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