MacBook Air im Test: Akkuwunder mit Abstrichen

Test7. Juli 2013, 16:40
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Hauptaugenmerk auf mobilem Arbeiten - Einschränkungen bei Performance und Erweiterbarkeit

Anfang Juni hat Apple seinen leichtesten Laptop, das MacBook Air, in neuer Generation auf den Markt gebracht. Bei gleich bleibendem Design hat nur das Innenleben ein Update erhalten. Mit den neuen Komponenten verspricht Apple zwar keine extremen Performance-Verbesserungen, aber eine drastische Steigerung der Akkulaufzeit. Beim 13-Zoll-Modell soll sie von sieben auf zwölf Stunden verlängert worden sein. Der WebStandard hat diese Behauptung auf den Prüfstand gestellt und mit dem MacBook Air einen Arbeitstag verbracht.

Gehäuse

Am Gehäuse hat sich fast nichts verändert. Das 13-Zoll-Modell wiegt immer noch 1,35 Kilogramm bei Abmessungen von 32,5 x 22,7 x 0,3 bis 1,7 Zentimeter. Das Display bietet eine native Auflösung von 1.440 x 900 Pixel bei einem Seitenverhältnis von 16:10. Bei den Anschlüssen ist an der linken und rechten Gehäuseseite jeweils ein USB-3.0-Anschluss vorhanden. Daneben stehen Thunderbolt-Port, ein SD-Kartensteckplatz, ein Kopfhöreranschluss und ein MagSafe-2-Stromanschluss zur Verfügung. Die einzige Änderung am Gehäuse sind zwei Öffenungen für das neue Dual-Mikrofon.

Neue Komponenten

Das Innenleben des neue Air hat sich stärker verändert. Apple hat Intels neue Core-i-Prozessoren basierend auf der Haswell-Architektur verbaut. Die Prozessoren sind extra für Ultrabooks - also dünne, leichte Laptops -, normale Notebooks und All-in-one-Rechner mit Augenmerk auf Energieeffizienz entwickelt worden. In der Standard-Konfiguration ist das Air mit einem mit 1,3 GHz getakteten Core-i5-Dual-Core-Prozessor ausgestattet. Optional kann auch ein Core i7 mit 1,7 GHz gewählt werden. Diese Wahlmöglichkeit bietet auch das kleinere 11-Zoll-Modell. Im Vorgängermodell waren etwas höher getaktete Chips eingebaut.

Eine dedizierte Grafikkarte gibt es nicht, Apple verlässt sich beim MacBook Air auf die integrierte Intel HD Graphics 5000. Damit kann auch ein zweiter, externer Bildschirm mit 2.560 x 1.600 Pixel Auflösung genutzt werden. Neu ist zudem ein WLAN-Modul, das neben 802.11a/b/g/n auch mit dem neuen, schnelleren ac-Standard kompatibel ist.

Akku

Wie bereits erwähnt verspricht Apple mit dem 54-Watt-Akku bis zu zwölf Stunden Akkulaufzeit bei kabellosem Surfen, maximal zehn Stunden Video-Wiedergabe über iTunes und bis zu 30 Tage Standby. Ein voller Arbeitstag und ein paar Überstunden sollten sich somit locker ausgehen. Der WebStandard hat diese Angaben mit dem 13-Zoll-Modell mit Core-i5-Chip überprüft.

Testsituation

Für den Test wurde das Gerät so eingestellt, wie es die Autorin - mit kleinen Ausnahmen - im normalen Arbeitsalltag auch verwenden würde. Das Display wurde auf rund 75 Prozent Helligkeit mit automatischer Helligkeitsanpassung gesetzt. Die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur war ausgeschaltet. WLAN war aktiviert, Bluetooth ausgeschaltet. Die Energiesparfunktionen waren ebenfalls deaktiviert.

Auf dem Gerät wurde ausschließlich mit Firefox gearbeitet. Zur Textverarbeitung wurde auf Google Docs zurückgegriffen. Einziger Unterschied zum üblichen Arbeitsalltag: Die Bildbearbeitung mit Photoshop wurde (aus Lizenzgründen) auf einem anderen Gerät vorgenommen.

Laufzeit

Zu Arbeitsbeginn um 9 Uhr war der Akku vollständig aufgeladen. Bis Mittag (crica 13.30 Uhr) ging die Ladung auf 68 Prozent zurück. Zu diesem Zeitpunkt wurde Flash installiert, um zu überprüfen, ob das Plugin beim normalen Websurfen einen gravierenden Einfluss auf die Laufzeit hat. Allerdings wurden nicht absichtlich Seiten mit vielen Flash-Inhalten angesurft. Insofern zeigte sich keine starke Auswirkung. Bei der Wiedergabe von Youtube-Videos verlor der Akku in einer halben Stunde jedoch 10 Prozent.

Bis 15.35 Uhr verringerte sich der Ladestand auf 40 Prozent. Zu Dienstschluss der Autorin um 16.30 Uhr hatte das MacBook Air immer noch 30 Prozent Saft. Am darauffolgenden Tag reichte die restliche Akkulaufzeit bis 12 Uhr, dann gingen dem Laptop endgültig die Lichter aus. Insgesamt hielt das MacBook Air im WebStandard-Test 10,5 Stunden durch.

Performance

Dass das MacBook Air primär auf mobiles Arbeiten ausgelegt ist, zeigt sich beim Performance-Test von CPU und Grafik. Im Geekbench-Test erreicht das Testmodell 6.064 Punkte. Wie bereits von anderen Testern festgestellt, ist das eine Spur schlechter als beim Vorgängermodell. Für Anwendungen wie professionellen Videoschnitt und aufwendige 3D-Games ist das Apple-Gerät nicht geeignet und auch nicht konzipiert. Beim Grafiktest mit Unigine Heaven Benchmark (Preset Extreme) stieß der Laptop fast an seine Grenzen - stark ruckelnde Grafik und eine rasche Erhitzung des Gehäuses. Die Lüfter sprangen nach wenigen Minuten an.

Übertragungsraten mit dem neuen WLAN-Standard konnten mangels kompatiblem Router nicht ausgewertet werden. Die von mehreren Nutzern berichteten Verbindungsprobleme über die Drahtlos-Schnittstelle wurden im Test nicht beobachtet.

Einschränkungen

Wie bei den bisherigen MacBook-Air-Generationen hat das Notebook auch bei Konfigurationsmöglichkeiten und der Erweiterbarkeit mit Einschränkungen zu kämpfen. Apple bietet zwar einige Optionen an - wahlweise 128, 256 oder 512 GB Flash-Speicher, 4 oder 8 GB RAM und Core i5 oder Core i7 - einmal gewählt, kann das Gerät aber nachträglich nicht aufgerüstet werden. Bei den Anschlüssen muss man in vielen Fällen auf einen Adapter für den Thunderbolt-Port zurückgreifen, beispielsweise für Ethernet oder um einen externen Monitor anzuschließen.

Beim Display hat Apple nur einen Hochglanz-Screen im Angebot. Arbeiten bei intensiverer Lichteinstrahlung ist so nur schwer möglich. Die Auflösung von 1.440 x 900 Pixel ist zwar für normales Arbeiten und zum Ansehen von Filmen gut, liegt aber hinter anderen Geräten wie etwa dem Chromebook Pixel oder auch Apples MacBook Pro mit Retina-Display. Hier gilt es allerdings auch zu beachten, dass ein höherauflösendes Display wiederum Einfluss auf die Akkulaufzeit hätte.

Fazit

Apple hat mit den beworbenen Akkulaufzeiten nicht zu viel versprochen. Das neue MacBook Air hält einen Arbeitsalltag hauptsächlich mit Browser-Nutzung und ohne grafikintensive Aufgaben mit Leichtigkeit durch und bietet noch genügend Reserven, um etwa am Heimweg von der Arbeit auch noch im Internet surfen zu können. In der Portabilität und Laufzeit liegen auch die größten Stärken des Rechners - wer mehr Leistung benötigt, liegt mit dem MacBook Air falsch.

Der Preis für das vom WebStandard getestete Modell beträgt 1.099 Euro. Der 11-Zöller fängt bei 999 Euro an. Wer alle internen Optionen bei Speicher und Prozessor ausreizen will, muss bis zu 1.849 Euro hinlegen. (Birgit Riegler, derStandard.at, 7.7.2013)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion von DiTech für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

Link

MacBook Air

Nachlese

Erste Tester: MacBook Air mit bester Laptop-Akkulaufzeit

WLAN-Problem beim neuen MacBook Air

  • Apple hat das neue MacBook Air Anfang Juni auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt und gleich auf den Markt gebracht.
    foto: derstandard.at/riegler

    Apple hat das neue MacBook Air Anfang Juni auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt und gleich auf den Markt gebracht.

  • Am Gehäuse hat sich kaum etwas verändert - Größe, Design und Anschlüsse sind gleich geblieben. Lediglich die beiden Öffnungen für das Dual-Mikrofon sind neu am Gehäuserand sichtbar.
    foto: derstandard.at/riegler

    Am Gehäuse hat sich kaum etwas verändert - Größe, Design und Anschlüsse sind gleich geblieben. Lediglich die beiden Öffnungen für das Dual-Mikrofon sind neu am Gehäuserand sichtbar.

  • Mit einer besonders langen Akkulaufzeit und einem leichten, dünnen Gehäuse eignet sich das Air sehr gut für mobiles Arbeiten. Gleichzeitig ist das Gerät aber in puncto Performance und Erweiterbarkeit eingeschränkt.
    foto: derstandard.at/riegler

    Mit einer besonders langen Akkulaufzeit und einem leichten, dünnen Gehäuse eignet sich das Air sehr gut für mobiles Arbeiten. Gleichzeitig ist das Gerät aber in puncto Performance und Erweiterbarkeit eingeschränkt.

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