Neuer Wirkstoff aus dem Meer tötet Anthrax ab

6. Juli 2013, 18:02
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Antibiotikum aus ungewöhnlicher Verbindungsklasse wirkt gegen gramnegative Bakterien

Im Meeresboden vor der Küste von Santa Barbara in Kalifornien haben US-Wissenschafter ein Bakterium entdeckt, das ein Antibiotikum einer völlig neuen Verbindungsklasse produziert. Die Substanz zeigte sich wirksam gegenüber Anthrax-Erregern und auch andere gefährliche Bakterien wie Staphylokokken werden mit dem Wirkstoff getötet. Die Forscher hoffen, dass weitere Untersuchungen dieser antibakteriellen Verbindungsklasse zu neuen Medikamenten führen werden.

Anthrax ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die vom sporenbildenden Bakterium Bacillus anthracis hervorgerufen und von infizierten Nutztieren übertragen wird. Seit einigen Jahren ist Anthrax als biologischer Kampfstoff gefürchtet: Anschläge damit forderten 2001 fünf Menschenleben. Eine Anthrax-Infektion erfordert meist eine langwierige Behandlung mit Antibiotika. Besonders gefährlich ist eine Infektion über die Atemwege. Entsprechend bedeutend ist die Suche nach neuen wirkungsvollen Antibiotika.

Anthrax, Staphylokokken, Enterokokken, Streptokokken

Aus küstennahen Sedimenten in der Nähe von Santa Barbara, Kalifornien, haben Forscher um William Fenical nun eine Streptomyces-Spezies gewonnen, deren Kulturextrakte eine deutliche antibiotische Aktivität gegen Anthrax-Erreger zeigen. Dem Team von der University of California at San Diego und von Trius Therapeutics, San Diego, gelang es, daraus eine Verbindung zu isolieren, die Anthrax-Erreger sowie weitere grampositive Bakterien, wie Staphylokokken, Enterokokken und Streptokokken, abtötet. Gegenüber gramnegativen Bakterien war es dagegen so gut wie wirkungslos.

Mit verschiedenen Analysenmethoden konnten die Forscher die Struktur des Anthracimycin genannten Wirkstoffs bestimmen. Dabei stellten die Wissenschafter fest, dass die Substanz einer Verbindungsklasse angehört, die völlig anders als alle biser bekannten Antibiotika ist. Anthracimycin enthält ein ungewöhnliches System aus einem Ring mit 14 und zwei Ringen mit je sechs Kohlenstoffatomen. Es handelt sich um ein sogenanntes Makrolid, dessen Biosynthese sehr wahrscheinlich über den so genannten Polyketidweg läuft.

Chloriertes Analogon

Mit röntgenkristallographischen Untersuchungen konnten die Forscher auch die absolute Konfiguration der sieben asymmetrischen Kohlenstoffzentren der Verbindung und damit die vollständige räumliche Struktur identifizieren. Ein ähnliches Kohlenstoffgerüst findet sich bei Chlorotonil, einem Metaboliten des terrestrischen Myxobacteriums Sorangium cellulosum. Umfassende Studien dieser neuen antibakteriellen Verbindungsklasse könnten zur Entwicklung effektiver neuer Wirkstoffe führen. (red, derStandard.at, 06.07.2013)

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