Auf Hausboot-Tour durch Burgund

Ansichtssache4. Juli 2013, 16:59
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Kleines Kursbuch: Andrea Heigl hat auf einer Hausboot-Tour durch Burgund einiges über den Homo nauticus gelernt

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foto: bruno morandi/corbis

Lektion eins: Ein Boot hat keine Bremse

Colin, der gutgelaunte Engländer, der in Frankreich für den Bootsverleiher Le Boat arbeitet, braucht nur eine Viertelstunde für die Instruktionen. Hier ist das Zündschloss, da der Vorwärts- und Rückwärtsgang, und das ist die Notfalltelefonnummer, bei der man anrufen kann, wenn das Boot - auch vermeintlich - nicht anspringt oder die Toilette verstopft ist. Bemerkenswert gelassen überlässt Colin den Bootsnovizen das Gefährt, das mehr als zehnmal so viel wert ist wie ein Mittelklasseauto. Dank der Fortbewegung im Schritttempo ist das Ding tatsächlich erstaunlich einfach zu manövrieren - zumindest so lange, bis ein radikaler Kurswechsel vonnöten wird, weil etwa eine enge Schleuse naht. Denn: So ein Boot hat keine Bremse, und Wasser ist keine asphaltierte Straße, dementsprechend gut geplant müssen Lenkmanöver sein. Beruhigend: Ein kleiner Rums schadet nichts; die "Stoßstangen" des Bootes halten einiges aus, das Weinglas weniger, aber das ist zu verkraften, burgundische Winzer warten hinter jeder nächsten Kurve. "Kontrolliertes Abenteuer" nennt das Harald Böckl, dessen Firma in Österreich Hausboote vermittelt. Ein Abenteuer, das Erfolgserlebnisse mit sich bringen kann: Wer hätte gedacht, dass es leichter ist, ein Zwölf-Meter-Boot in Frankreich rückwärts einzuparken als einen Kleinwagen in der Wiener Innenstadt?

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