Südamerikanische Staaten beraten nach "Entführung" von Morales

4. Juli 2013, 09:30
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Zwischenlandung in Wien war "Provokation gegen ganzen Kontinent" - Jubelnder Empfang für Morales in Bolivien

La Paz/Washington/Wien - Der Verband der zwölf südamerikanischen Staaten (UNASUR) will am Donnerstag bei einem Sondergipfel den Eklat um den Flug von Boliviens Präsident Evo Morales diskutieren. Bei der Verweigerung von Überflugrechten für Morales' Maschine handle es sich um "Entführung", erklärte das Staatenbündnis am Mittwoch.

Morales zurück in Bolivien

Morales ist nach der Zwischenlandung in Österreich am Mittwoch wieder in sein Heimatland zurückgekehrt, er wurde am Abend in La Paz von einer jubelnden Menschenmenge empfangen. Morales hatte auf dem Weg von Russland nach Bolivien in Wien-Schwechat zwischenlanden müssen, weil ihm nach eigenen Angaben mehrere europäische Staaten den Überflug verweigert hatten.

"Offene Provokation gegen ganzen Kontinent"

Hintergrund soll der Verdacht gewesen sein, dass sich der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in der Regierungsmaschine befand. "Das war eine offene Provokation gegen einen ganzen Kontinent und nicht nur gegen einen Präsidenten", sagte Morales bei seiner Rückkehr.

Auch in anderen Ländern sorgte der Zwischenfall für Verärgerung. Die UNASUR sprach von einem "unfreundlichen und unvertretbaren Verhalten". Bolivien beschuldigte die USA, im Zusammenhang mit der Fahndung nach Snowden Druck auf europäische Länder ausgeübt zu haben. Der 30-Jährige, der geheime Informationen über Überwachungsprogramme an Medien weitergab, hält sich vermutlich im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf.

US-Regierung drohte Ländern wegen Überflugs

Die US-Regierung hatte Sicherheitskreisen zufolge Staaten mitgeteilt, dass die Beziehungen zu den USA deutlich belastet würden, wenn sie Snowden die Erlaubnis zur Einreise geben würden. Nach internationalen Vereinbarungen dürfen zwar Zivilmaschinen Länder ohne besondere Erlaubnis überfliegen, für Regierungsflugzeuge muss dagegen eine Genehmigung eingeholt werden.

Der bolivianische Außenminister wies unterdessen das US-Auslieferungsgesuch für Snowden zurück. Das Ansinnen sei "bizarr, rechtlich unbegründet und unüblich", da sich Snowden nicht auf bolivianischem Boden befinde, erklärte das bolivianische Außenministerium am Mittwoch. Gleichzeitig betonte die Regierung, Snowden sei nie mit Morales in Russland zusammengetroffen. (APA/Reuters, 4.7.2013)

  • Blumen für Morales in La Paz.
    foto: epa/martin alipaz

    Blumen für Morales in La Paz.

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