Frauenentführer von Cleveland ist prozessfähig

3. Juli 2013, 19:53
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Ariel Castro will in Gefangenschaft gezeugte Tochter sehen

Cleveland - Der mutmaßliche Entführer Ariel Castro, der drei junge Frauen jahrelang gefangen gehalten und vergewaltigt haben soll, ist nach Einschätzung eines US-Gerichts verhandlungsfähig. Richter Michael Russo erklärte am Mittwoch in Cleveland, dass eine psychiatrische Untersuchung ergeben habe, dass Castro den Anforderungen eines Gerichtsverfahrens gewachsen sei.

Der 52-Jährige ist wegen 329 einzelner Straftaten angeklagt, unter anderem muss er sich wegen der Ermordung eines ungeborenen Kindes verantworten. Castro soll eine der von ihm entführten Frauen so brutal misshandelt haben, dass sie eine Fehlgeburt erlitt. Der Vorwurf sticht aus der Anklageschrift hervor, da er den Tatbestand des Mordes in schwerem Fall erfüllen würde. Dafür könnte dem Angeklagten die Todesstrafe drohen.

Schuldbekenntnis bei Verzicht auf Todesstrafe

Anfang Juni hatte sich Castro bei einer Anhörung für nicht schuldig erklärt. Seine Anwälte boten aber ein Schuldbekenntnis an, wenn die Staatsanwaltschaft im Gegenzug auf die Todesstrafe verzichtet.

Castro steht wegen Selbstmordgefahr im Gefängnis unter ständiger Beobachtung. Am Mittwoch erschien er erneut in orangefarbener Häftlingskleidung vor Gericht und richtete den Blick die meiste Zeit auf den Boden. Am Ende der Anhörung bat er, seine in Gefangenschaft geborene Tochter sehen zu dürfen. "Das werde ich nicht erlauben", sagte Richter Russo. Als vorläufigen Termin für den Beginn der Juryauswahl legte Russo den 5. August fest.

Jahrelang festgehalten

Castro soll Michelle Knight, Amanda Berry und Gina DeJesus zwischen 2002 und 2004 entführt und jahrelang in seinem Haus festgehalten haben. Die Frauen sind heute 32, 27 und 23 Jahre alt. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Opfer immer wieder misshandelt und vergewaltigt zu haben. Amanda Berry brachte in der Gefangenschaft eine Tochter zur Welt, einem DNA-Test zufolge ist Castro der Vater. Die Staatsanwaltschaft beschrieb den Hauskeller als "Folterkammer und Privatgefängnis" in dem sich "unbegreifliche" Verbrechen abgespielt hätten.

Als Berry Anfang Mai mit Hilfe eines Nachbarn die Flucht gelang, kam der Fall ans Licht und sorgte weltweit für Schlagzeilen. Die 329 Anklagepunkte gegen Castro beziehen sich auf seine mutmaßlichen Taten bis zum Jahr 2007. Für den darauf folgenden Zeitraum könnten dem früheren Busfahrer noch weitere Verbrechen zur Last gelegt werden. (APA, 3.7.2013)

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