Infokette bei Hochwasser war laut Protokoll lückenlos

3. Juli 2013, 19:41
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Übermittlung an alte E-Mail-Adresse habe keinen Einfluss gehabt

Linz/Wien - Die Informationskette für die Einsatzstellen während des Hochwassers Anfang Juni in Oberösterreich war entgegen entsprechenden Vorwürfen lückenlos. Das hat die Analyse des Protokolls der behördlichen Einsatzleitung ergeben, in dem alle Meldungen minutiös aufgezeichnet werden. Das gaben der zuständige Landeshauptmann Josef Pühringer und die Landesräte Max Hiegelsberger (beide ÖVP) sowie Rudi Anschober (Grüne) nach einer Analyse des Protokolls in einer Pressekonferenz Mittwochnachmittag bekannt. Sie versprachen, die weitere Aufarbeitung der Katastrophe und eventuelle Schwächen auszumerzen.

Laut Protokoll seien alle Informationen ungebrochen an alle Einsatzstellen gegangen, stellte Hiegelsberger fest. Die Übermittlung von Pegelständen durch den Verbund an eine veraltete E-Mail-Adresse des hydrografischen Dienstes habe keinen Einfluss auf das Geschehen gehabt, ist man sich beim Land sicher. Das von 2. bis 6. Juni reichende Protokoll soll verringert um Einzelheiten, die dem Datenschutz unterliegen - beispielsweise Telefonnummern von Einsatzstellen - demnächst auch im Internet veröffentlicht werden.

Fragen wegen starken Anstiegs

Zur Aufarbeitung der gesamten Katastrophe soll unter anderem ein Gutachten der in der Angelegenheit unabhängigen Universität Kassel beitragen. Vor allem soll die Einhaltung der Wehrbetriebsordnung durch die Donaukraftwerke des Verbundes untersucht werden.

Gesucht würden weiters Antworten, warum das Wasser in der Nacht von 2. auf 3. Juni so stark angestiegen sei sowie, ob jemand aufgrund der vorliegenden Fakten den Riesenschwall hätte erkennen müssen, der sich vor allem in das Eferdinger Becken ergoss. Aus heutiger Sicht würden die Fachleute dies verneinen, erklärte Pühringer. Der Verbund werde aber gefragt werden, ob er über eine Datenlage verfügt habe, die das Land nicht hatte.

Bewohner zu Absiedelung bereit

Anschober will aufarbeiten, lernen und verbessern sowie schützen. Ein Dorn im Auge ist ihm, dass oberhalb des 1970 errichteten Kraftwerkes Ottensheim danach viel in den Retensionsräumen gebaut wurde. Im Machland unterhalb von Linz sei nach dem Hochwasser 2002 viel im Sinne der Raumordnung mit Absiedelungen und Bauverboten geschehen. Auch im Eferdinger Becken seien nach den jüngsten Überschwemmungen an die 100 Eigentümer von Objekten zur Absiedelung bereit.

Pühringer stellte fest, die Aufklärung der Vorgänge sei man den Geschädigten schuldig. Sie hätten den Eindruck, man habe sie "absaufen" lassen, was laut des vorliegenden Protokolls nicht stimme. Es werde nichts schöngeredet oder -geschrieben werden. Höchste Sorgfalt werde es auch bei der Hilfestellung für die Hochwasseropfer geben, versprach er. (APA, 3.7.2013)

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