Sarkozy scharrt schon in den Startlöchern

3. Juli 2013, 19:01
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Ein Jahr nach seiner Abwahl arbeitet der Expräsident am Comeback

Paris - Gelassen und diskret: Nicolas Sarkozy ist ein neuer Mensch. Der 58-Jährige hält Vorträge à 50.000 Dollar und spielt den Familienvater für Töchterchen Giulia. Sein Fanclub "Amis de Nicolas Sarkozy" schildert ihn als heiter, ausgeglichen, dabei energisch wie immer.

Pariser Medien zeichnen ein ganz anderes Bild: Sarkozy drehe in seinem Büro ruhelos Kreise und schimpfe über die Medien und die Linksregierung. Nicht einmal sein bürgerlicher Parteifreund François Fillon findet Gnade: Er sei "der schlimmste aller Verräter", erklärte Sarkozy laut Le Monde. Der populäre Expremier hatte das Sakrileg begangen, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2017 anzukündigen.

Fallen am Weg zurück

2017 würde Sarkozy aber selber antreten - doch der Weg ist voller Fallen. Schuld daran sind "les affaires": So soll Sarkozy dem Mittepolitiker Bernard Tapie zu einer privatrechtlichen Entschädigung von 403 Millionen Euro für den Verlust des Sportartikelherstellers Adidas verholfen haben - zulasten des Steuerzahlers. Zudem soll der damalige libysche Diktator Muammar al Gaddafi die Präsidentschaftskampagne mitfinanziert haben. Und dann soll Sarkozys Wahlkampfteam 2007 von der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt Bargeld entgegengenommen haben. Noch früher, 1995, soll Sarkozy als Budgetminister mit Kommissionen aus Pakistan seinen Mentor Edouard Balladur begünstigt haben.

So viele Affären, das schlägt aufs Gemüt. "Carla Bruni hat den Blues", berichtete die Boulevardzeitung Le Parisien dieser Tage. Sarkozys Ehefrau "hält die Affären nicht mehr aus".

Mit Glück und Geschick wird sich Sarkozy erneut als jener positionieren, der die Bürgerlichen vereinigt und den Front National von Marine Le Pen in Schach zu halten vermag. Sarkozy brennt darauf, in die Arena zu steigen; seine Berater halten ihn aber wegen seiner Affären zurück. Noch bleibt er der große Abwesende auf der Politbühne. Doch hinter dem Vorhang rumort es schon. (brä, DER STANDARD, 4.7.2013)

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