Vorwurf des Kolonialismus

3. Juli 2013, 18:44
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"Aggression des US-Imperiums und seiner Verbündeten"

Dreizehn Stunden dauerte die erzwungene Flugpause - doch die Schäden für die europäisch-lateinamerikanischen Beziehungen dürften anhaltender sein. Die Europäer hätten Morales "entführt", erklärte Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera. Dies sei ein Affront, Europa handle wie eine US-Kolonie, erklärte er und rief die Völker der Welt zu Demonstrationen gegen den Imperialismus auf. Morales selbst sprach von einer "Aggression gegen ganz Lateinamerika" und von einem "Vorwand, um seine antiimperialistische Regierung einzuschüchtern".

Das lateinamerikanische Linksbündnis Alba verurteilte die Haltung Frankreichs, Portugals, Spaniens und Italiens als "schwerwiegende Aggression des US-Imperiums und seiner europäischen Alliierten". "Venezuela ist mit Evo solidarisch und wird mit Würde auf diese gefährliche, unangemessene und unannehmbare Aggression reagieren", twitterte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Außenminister Elías Jaua machte die USA für den Vorfall verantwortlich.

Unasur-Sondersitzung

Das südamerikanische Staatenbündnis Unasur beraumte eine Sondersitzung an. "Perus Staatschef Ollanta Humala wird eine Sitzung von Unasur einberufen. Morgen wird ein langer Tag. Sie werden es nicht schaffen", twitterte Argentiniens Staatschefin Cristina Kirchner in der Nacht und fügte hinzu: "Sie sind definitiv alle verrückt." Auch Uruguays Präsident José Mujica sei empört. Ecuadors Staatschef Rafael Correa sprach von "entscheidenden Stunden" für Lateinamerika: "Entweder bleiben wir weiterhin Kolonien, oder wir bekräftigen unsere Unabhängigkeit, Souveränität und Würde. Wir alle sind Bolivien!", twitterte er.

Nicht alles wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Kolumbiens konservativer Präsident Juan Manuel Santos, der momentan in der Schweiz zu Besuch ist, erklärte, er habe noch keine Einladung zur Unasur-Sondersitzung erhalten. Trotzdem gehört nicht viel dazu anzunehmen, dass die Abschlusserklärung geharnischt ausfallen wird, auch wenn Morales' Flieger am Mittwochmorgen in Wien abheben konnte. (Sandra Weiss aus Puebla, DER STANDARD, 4.7.2013)

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