Ein Plädoyer für Gold

Blog3. Juli 2013, 19:04
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Ob der Preis steigt oder fällt: Als Hedging-Instrument hat sich das Edelmetall in den vergangenen Jahren bewährt

Nachdem ich während des stetigen Anstiegs des Goldpreises, der im August 2011 seinen Höhepunkt erreicht hatte, immer wieder gegen eine allzu große Gold-Euphorie angeschrieben hatte, will ich nach dem jüngsten Absturz das Gegenteil tun: Es ist klug, einen Teil der Ersparnisse in Gold zu investieren.

Ich sage das nicht, weil ich einen neuerlichen Aufwärtstrend bei Gold erwarte. Das ist zwar möglich, lässt sich allerdings nicht voraussagen. Genauso wahrscheinlich ist ein weiterer Rückgang auf 1.000 Dollar je Unze oder noch tiefer. Es gibt kaum einen weniger berechenbaren Kurs als jenen des Goldes.

Aber Gold hat seit Ausbruch der Finanzkrise seinen Wert als Hedging-Instrument bewiesen. Die Preisbewegungen waren völlig unabhängig von denen anderer Vermögenswerte wie Aktien oder Anleihen, ja selbst von Erdöl und Rohstoffen. Und oft verlief der Trend in die entgegengesetzte Richtung. Als die Börsen fielen, stieg der Goldpreis; als diese sich zuletzt dramatisch erholten, verlor das Gold an Glanz.

Solche Veranlagungen helfen, die Schwankungen in einem Portefeuille zu mildern, und das verringert das Risiko der gesamten Geldanlage. Deshalb ist es vernünftig, irgendwo zwischen fünf und zehn Prozent seines Vermögens in Gold zu halten, ohne dabei auf Bewegungen im Goldpreis zu spekulieren.

Für die meisten Anleger ist es am besten, seine Goldmünzen oder -barren einfach liegen zu lassen und sie nicht anzurühren. Wer aber diese Bandbreite als Zielzone nimmt und aktiv managt - also nachkauft, wenn sich Gold der Fünfprozentmarke nähert, und bei einem Anteil von über zehn Prozent verkauft -, der hat gute Chancen, über eine lange Zeitspanne mit Gold einen Gewinn zu machen.

Allerdings ist beim Gold nicht der Gewinn der Hauptzweck, sondern die Absicherung. Und zu der trägt Gold auch bei, wenn wie zuletzt der Preis dramatisch fällt.

PS: Mein Blog "Krisenfrey" hat am Mittwoch beim Smeil-Award 2013 für den besten Finanzblog den dritten Platz gewonnen. Verdient oder unverdient - ich freue mich darüber. (Eric Frey, derStandard.at, 3.7.2013)

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