Lehrerdienstrecht: Divide et impera

Kommentar3. Juli 2013, 18:38
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Die permanenten koalitionsinternen Störfeuer und Scharmützel drehen die Verhandlungen um ein neues Lehrerdienstrecht nur im Kreis

Ist das noch ernst gemeint oder schon ins leicht Bizarre abgedriftet? Da verhandelt eine Regierung - bestehend aus SPÖ und ÖVP - seit mehr als einem Jahr mit den Lehrergewerkschaftern über ein neues Dienst- und Besoldungsrecht auf Basis von etwas, das sie als gemeinsame Verhandlungsposition verstanden hat. Es zieht sich, sie quälen sich und einander, die Gespräche werden abgebrochen, gehen lähmend weiter. Dann plötzlich werden nicht verhandelnde, quasi befreundete Vertraute der Lehrer in der Regierung kreativ und machen Vorschläge abseits des Regierungsvorschlags. Und die Finanzministerin verkündet gar, dass sie es lieber mit einem eigenen Vorschlag mit den Lehrern - "ihren", denn die Christgewerkschafter dominieren alle Teilgewerkschaften - versuchen möchte.

Danke. Wer solche Verhandlungspartner bzw. -gegner hat, braucht eigentlich nicht mehr viel zu tun, außer die eigenen Reihen geschlossen zu halten, während die andere Seite auf offener Bühne zerbröselt. Gut für die Lehrer. Die wissen um das Macchiavelli'sche Machtkalkül des "Divide et impera" - der Kunst des taktischen Teilens und Herrschens - und sind klug genug, es nicht gegen sich selbst zu richten. Dass das in der Koalition passiert, ist hingegen bemerkenswert. Der von Maria Fekter spontan angekündigte Alleingang war ungefähr so, als würde jeder der fünf Lehrergewerkschafter mit einem eigenen, für seinen Schultyp genehmen Modell auftauchen. Skurril.

Diese permanenten koalitionsinternen Störfeuer und Scharmützel drehen die Verhandlungen um ein neues Lehrerdienstrecht nur im Kreis. Sie erwecken den Eindruck, dass der Koalitionsvertrag insgeheim bereits aufgekündigt und auf Wahlkampfmodus geschaltet wurde. Schade um die Zeit und die Sache. Immerhin: Die Lehrer leben mit dem alten Dienstrecht sicher noch längere Zeit ganz gut. Besser als die Regierung und die Schulen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 4.7.2013)

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