Kollaborative Raumnahme

3. Juli 2013, 18:03
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Akademie-Professorin Monika Bonvicini kuratierte in der Galerie König eine Ausstellung

Wien - Seit zehn Jahren unterrichtet Monica Bonvicini bereits an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nun hat sie in der Ausstellung is my territory die Arbeiten jener Künstlerinnen versammelt, mit denen sie in diesen Jahren zusammengearbeitet hat. In ihrer eigenen Arbeit untersucht Bonvicini die Zusammenhänge zwischen Architektur, Macht und Geschlecht. In der Gruppenausstellung in der Galerie König spielen diese Themen erwartungsgemäß auch eine Rolle. Den zeitlichen Anfang macht eine Zeichnung, die sie im Jahr 2003 gemeinsam mit Sam Durant für ihre Ausstellung Break it / Fix it in der Wiener Secession produzierte: Angegriffen wird darauf eine urbane Struktur, die ein Mann mit Gewehr à la Gordon Matta-Clark dekonstruiert.

Dass das Aufbrechen und neue Zusammensetzen vorhandener - seien es architektonische, formale, kunsthistorische oder aber eben auch geschlechtsspezifische - Strukturen ein großes Anliegen der Künstlerin ist, zeigt sich auch in den Arbeiten der ansonsten ausschließlich weiblichen Kollaborateurinnen: Cäcilia Brown funktioniert Versatzstücke aus urbanen Räumen zu imposanten Skulpturen um, Kris Lemsalu demontiert Ziehharmonikas, und Isa Rosenberger näherte sich auf sehr gelungene Weise einem städtischen Monument eines postsozialistischen Landes an.

Im Gegensatz zu diesen narrativ aufgeladenen Werken wirken die Stahlskulpturen von Julia Hohenwarter geradezu minimalistisch: Die dreieckigen Formen erwecken aufgrund ihrer unterschiedlichen Höhe den Eindruck, als würden sie langsam im Boden versinken.

Während Hohenwarter ihren Skulpturen auf diese Weise Bewegung einflösst, hat sich Stefanie Seibold wieder aus ganz anderen Gründen mit Dreiecksformen befasst. Because Diamonds Are a Girl's Best Friend ... heißt ihre Arbeit, die zum einen Teil aus mehreren gefalteten Deltoiden in einer Vitrine besteht. In einer Ecke der Galerie hängt überdies eine größere Version des sexualisierten, queer-feministischen Zeichens, das eigentlich auch den politischen Kontext der Arbeiten von Toni Schmale und Astrid Wagner bildet: Toni Schmale referiert mit ihren ebenso intimen wie brachialen Betonskulpturen auf alternative Sextechniken, und Astrid Wagner nimmt sich unter den Flügeln des Regenbogens auf sehr humorvolle Weise der Kunstgeschichte und der von ihr propagierten Körperideale an. (Christa Benzer, DER STANDARD, 4.7.2013)

Bis 27.7., Galerie Christine König

Schleifmühlgasse 1A,1040 Wien

www.christinekoeniggalerie.com

  • Kris Lemsalu demontiert Ziehharmonikas: "Two silent instruments preparing to tour forever" (2013).
    foto: christine könig galerie

    Kris Lemsalu demontiert Ziehharmonikas: "Two silent instruments preparing to tour forever" (2013).

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