Bilanzpolizei nimmt Arbeit auf

3. Juli 2013, 17:55
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Jahresberichte von börsennotierten Unternehmen werden künftig stärker geprüft. Die Bilanzpolizei wurde nun installiert

Wien - Seit Juli gibt es sie nun auch in Österreich - die sogenannte Bilanzpolizei. Österreich ist das letzte Land in der Europäischen Union, das diese Stelle - die seit 2007 von der EU vorgeschrieben ist - installiert hat. Derzeit werden Räumlichkeiten gesucht und das Team (es soll fünf Prüfer geben) formiert. Aufgabe der OePR (Österreichische Prüfstelle für Rechnungslegung) ist die Kontrolle der Bilanzen börsennotierter Unternehmen. Das soll das Vertrauen der Anleger fördern.

Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass es in den Bilanzen immer wieder zu Fehlern kommt. Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) - sie existiert bereits seit 2004 und hat 16 Prüfer - hat im Vorjahr 113 Prüfungen durchgeführt. Die Fehlerquote lag bei 16 Prozent. Zwei bis drei Einzelfehler liegen zumeist pro Unternehmen vor, ist dem DPR-Tätigkeitsbericht zu entnehmen. Die meisten Verfehlungen entfallen auf den Bereich Unternehmenserwerb und Verkauf. Bei den Bewertungen (nach IFRS) von Finanzinstrumenten oder Beteiligen komme es immer wieder zu Fehlern. Auch Unzulänglichkeiten bei den Angaben zu den Organbezügen und der zukünftigen Entwicklung bzw. den Risiken des Unternehmens fallen den Prüfern immer wieder auf.

"Die Rechnungslegungsvorschriften sind zu komplex geworden", sagt Heinz Leitsmüller, Abteilungsleiter Betriebswirtschaft von der Arbeiterkammer Wien, der auch im OePR-Vorstand sitzt. Zu viele Bereiche würden auf zukünftigen Annahmen beruhen und nicht selten stelle sich heraus, dass die Angaben nicht halten. Etwa wenn Auslandstöchter plötzlich massiv abgewertet werden müssen. "Die IFRS-Richtlinien sollten dringend vereinfacht werden", sagt Leitsmüller zum Standard. Das würde auch die Erstellung der Bilanzen erleichtern.

Präventivcharakter

Dass die neue Prüfstelle delinquentes Verhalten aufdeckt - etwa, dass in der Bilanz etwas verdeckt wird - glaubt Leitsmüller nicht. Präventivcharakter werde die Bilanzpolizei aber haben. Werden Fehler festgestellt, erfolgt ein Bescheid der FMA. Diese entscheidet auch, ob ein Fehlverhalten öffentlich gemacht wird - etwa auf der FMA-Homepage. In Deutschland werden Fehler an die deutsche Aufsicht Bafin weitergeleitet und im Unternehmensregister veröffentlicht.

Finanziert wird die Bilanzpolizei, die als gemeinnütziger Verein organisiert ist, von den derzeit 17 Vereinsmitgliedern (Branchen-, Fachverbände und Kammern), die jeweils 10.000 Euro pro Jahr einzahlen und von den 140 börsennotierten Unternehmen, die jährlich 7500 Euro an den Verein abliefern. Reicht das nicht aus, werden die Unternehmen abhängig von ihrer Marktkapitalisierung zur Kasse gebeten. In Deutschland hat die Prüfstelle 16 Mitarbeiter, die Kosten beliefen sich im Vorjahr auf 5,2 Mio. Euro.

Streit der Parteien

Dass Österreich die Bilanzpolizei erst jetzt zum Leben erweckte, lag an einem Streit der Parteien. Die SPÖ wollte ein einstufiges Modell, wonach die Bilanzpolizei direkt bei der FMA anzusiedeln gewesen wäre. Die ÖVP forderte ein zweistufiges Modell, wonach es neben der FMA eine weitere Einrichtung geben soll. So wurde es nun auch gelöst. Die FMA kann einen Prüfplan erstellen und an die Bilanzpolizei weiterreichen aber auch selbst Prüfungen vornehmen.

"Sichergestellt werden muss, dass die Prüfer unabhängig sind", sagt Leitsmüller. Leute aus den zu prüfenden Unternehmen sollten nicht entsandt werden, ebenso wenig jene aus den Firmen, die Vereinsmitglied sind. Bleiben also Prüfer aus dem Ausland oder von jenen Unternehmen, die nicht an der Börse notieren und daher nicht geprüft werden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 4.7.2013)

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    Die Spurensuche bleibt, der Tatort verlagert sich auf die Bilanzen. Die Bilanzpolizei startet jetzt auch in Österreich.

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