"Führerglocke" steht unter Denkmalschutz

3. Juli 2013, 18:07
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Denkmalamt: Glocke soll in Schloss Wolfpassing bleiben

Wolfpassing/Wien - Die "Führerglocke" von Wolfpassing im Mostviertel soll laut Bundesdenkmalamt (BDA) bleiben, wo sie ist: im Schloss Wolfpassing, das vor kurzem an einen privaten Investor verkauft wurde. Was dieser mit dem Gebäude vorhat, ist bisher nicht bekannt. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) hatte nach einem Standard-Bericht vergangene Woche eine Anfrage an die Denkmalschützer gestellt, wie mit der Glocke aus dem Jahr 1939 zu verfahren ist - am Mittwoch langte die Antwort ein.

Darin heißt es, dass durch Unterschutzstellung eines Denkmals auch Zubehör einbezogen sei, und: "Ein etwaiger Ausbau der Glocke stellt eine Veränderung des Denkmals - Schloss Wolfpassing - (...) dar." Laut BDA seien vergleichbare Objekte derzeit nicht dokumentiert. Die Glocke könne "durch die Anbringung einer entsprechend kommentierten Zusatztafel als Mahnmal für den Schrecken und Terror des NS-Regimes dienen".

Aufbewahrung in Archiv oder Museum

Auf der Glocke steht: "Am 11. 3. 1938 befreite der Einiger und Führer aller Deutschen Adolf Hitler die Ostmark vom Joche volksfremder Bedrückung und führte sie heim ins Großdeutsche Reich." Darüber prangt ein Hakenkreuz. Brigitte Bailer, Leiterin des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands, und Historiker Bertrand Perz hatten zuletzt angeregt, die Glocke in einem öffentlichen Archiv oder Museum aufzubewahren.

Regionalhistoriker findet Standpunkt "sehr seltsam"

Auf das Objekt aufmerksam gemacht hatte im Mai Regionalhistoriker Johannes Kammerstätter. In einer Anzeige gegen die BIG regte er an, zu prüfen, ob "durch den Verkauf einer NS-Devotionalie (...) ein strafbarer Tatbestand vorliegt". Zur Stellungnahme des BDA sagte Kammerstätter am Mittwoch, er finde den Standpunkt, dass die Glocke im Schloss bleiben soll "sehr seltsam".

Für "seltsam" hält dagegen BIG-Sprecher Ernst Eichinger, warum Kammerstätter nicht schon früher die BIG über die Existenz der Glocke informiert hatte. Kammerstätter dazu: "Ich habe das vor einem Jahr in einem Buch geschrieben." Und im Dorf habe jeder davon gewusst. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 4.7.2013)

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