Ein leichtes Mädchen lehrt Laszivität

3. Juli 2013, 17:51
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Julia Cencig begeistert als "Die Dame vom Maxim" bei den Schlossspielen Kobersdorf

Kobersdorf - Der Erfolg im Jahr 2007 dürfte dem Intendanten den "Floh ins Ohr" gesetzt haben: Erneut setzte Wolfgang Böck ein Stück des französischen Lustspielautors Georges Feydeau an. Bei Die Dame vom Maxim handelt es sich aber um eine Art Ausgrabung. Denn bei den Schlossspielen Kobersdorf gelangte die Übersetzung von Hans Weigel für das Akademietheater 1972 (u. a. mit Fred Liewehr) zum Einsatz.

Dramaturg Oliver Binder reduzierte zwar den irrwitzigen Plot rund um einen an sich biederen Ehemann, der über Nacht ein leichtes Mädchen namens Crevette mit nach Hause nimmt und sich in der Folge in einem monströsen Netz aus Lügen verstrickt, von 29 auf 17 Figuren. Es hätten aber noch viele weitere Striche gut getan - zumindest nach der Pause: Das Fest des Generals auf dessen Schloss in der Touraine, überflüssigerweise garniert mit dem Lied Der Klopfgeist von Ralph Benatzky, will in der handwerklich soliden Regie von Patrick Guinand kein Ende finden. Auch Running Jokes werden irgendwann fad. Die Premiere am Dienstag endete jedenfalls erst um Mitternacht.

An Erich Uiberlackers plumpem Bühnenbild hatte man sich bereits nach fünf Minuten sattgesehen. Es wird, völlig unpassend für das Schlafgemach des harmlosen Petypon, von einem roten Himmelbett dominiert. Immerhin sind darüber Durchblicke auf den Arkadenhof des Schlosses möglich. Und dieser darf zumindest für einen Auftritt beim turbulenten Fest als Schauplatz dienen.

Die Dame vom Maxim ist so etwas wie das Gegenstück zu My Fair Lady: Nicht ihr werden Manieren beigebracht, sondern Crevette lehrt den Damen der Gesellschaft Laszivität. Für die Nachtklubtänzerin hat Böck eine Idealbesetzung gefunden: Mit losem Mundwerk und erfrischender Ungeniertheit verdreht Julia Cencig allen den Kopf, nicht nur dem General, den der Intendant als sympathische Witzfigur anlegt. Bernd Jeschek hingegen ist als Petypon ein nettes Häufchen Elend, das mit jeder neuen Verwicklung ein weiters Stück Hoffnung fahren lässt. Seine Frau wird ihm zwar verzeihen. Ob es aber ein Happyend ist, mit dieser Schreckschraube (überzeugend: Gertrud Roll) verheiratet zu bleiben? (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 4.7.2013)

Bis 28.7.

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    Eine Witzfigur: Wolfgang Böck mit Julia Cencig. 

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