Albert II.: Belgiens fröhlicher König dankt ab

4. Juli 2013, 08:26
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Monarch wird am 21. Juli sein Amt an den 53-jährigen Prinz Philippe übergeben

Brüssel/Straßburg – Vermutungen über eine bevorstehende Abdankung des belgischen Königs gab es seit der Hofübergabe in den benachbarten Niederlanden schon seit Monaten: Mittwoch, Punkt 18 Uhr, sollte Albert II. in einer Fernsehansprache nun allen Spekulationen persönlich ein Ende bereiten. Er werde das Amt an seinen Sohn Prinz Philippe übergeben, verkündete der Monarch, der nächstes Jahr 80 Jahr alt wird.

Der Wechsel soll rasch erfolgen. Die Inthronisierung des 53-jährigen Philippe soll bereits am 21. Juli über die Bühne gehen. Mehrere Zeitungen und die staatliche Nachrichtenagentur verbreiteten Mittwoch tagsüber bereits die Pläne für die Hofübergabe. Es wird ein Volksfest geben.

Bindeglied und Brückenbauer

Das Datum ist natürlich nicht zufällig gewählt. Am 21. Juli 1831 hat der damalige König Leopold I. den Eid auf die Verfassung abgelegt. Seither ist der 21. Juli der Nationalfeiertag der konstitutionellen Monarchie. In einem Land, das aufgrund seiner starken föderalen Struktur, der Aufteilung in drei Sprachregionen und seiner vielfach zersplitterten Parteienlandschaft seit Jahren von Spaltung bedroht ist, spielt der König als Bindeglied und Brückenbauer politisch eine extrem wichtige Rolle. Das gilt besonders, seit die flämische Nationalpartei im Norden, in Flandern, zur stärksten Partei wurde, die Abschaffung der Monarchie und die Teilung Belgiens verlangt. Zwischen 2010 und 2012 gab es eineinhalb Jahre lang nur eine provisorische Regierung.

Albert II. hat diese Krise gut gemeistert, eine breite Koalition unter Premier Elio di Rupo wahrhaft zusammengebracht. Er gilt als umgänglicher, bei den Bürgern beliebter Monarch – berühmt für Radtouren am Land mit seiner Frau Paola und den ehelichen Kindern Philippe, Laurent und Astrid. "Schwierige Zeiten" mit Paola räumte er offen ein, indirekt die Existenz einer unehelichen Tochter.

An die Macht kam Albert II. 1993 nach dem Tod seines kinderlosen Bruders Baudouin, in dessen Schatten er immer stand. Aber er hat sich inzwischen zu einem vielfach interessierten politischen Fachmann entwickelt, wie Minister berichten. Die Latte für Sohn Philippe, der mit seiner Frau Mathilde vier Kinder hat, liegt hoch. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 4.7.2013)

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    Nach 20 Jahren im Amt tritt Albert II. ab.

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