Millionenloch beim HSV und Folgen für Scharner

3. Juli 2013, 13:42
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Vorstandschef Jarchow verkündet Transferstopp beim deutschen Bundesligisten - Sportdirektor Kreuzer soll durch Spielerverkäufe zumindest zehn Millionen lukrieren

Hamburg - Der Wind beim deutschen Bundesligisten HSV hat sich komplett gedreht - und das innerhalb von gerade einmal 48 Stunden. Am Montag sagte Rafael van der Vaart beim Trainingsauftakt noch: "Europapokal, alles andere ist nichts wert." Am Mittwoch darauf verkündete Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow in der "Bild"-Zeitung: "Das Nächste müssen Verkäufe sein."

Zwischen der Kampfansage des Mittelfeldstars und dem Transferstopp durch Jarchow lag zudem noch die Absage von Wunschstürmer Roque Santa Cruz aus familiären Gründen.

Scharner will sich durchsetzen

Anscheinend plagen die Hanseaten immer größere finanzielle Sorgen. Sie sollen in den vergangenen drei Jahren 20 Millionen Euro Defizit erwirtschaftet haben, auch heuer droht ein Millionenminus. Laut der "Bild" darf Sportdirektor Oliver Kreuzer das Team nicht mehr verstärken, sondern muss zunächst mit dem Verkauf von Ladenhütern mindestens zehn Millionen Euro erlösen. Davon betroffen ist auch Paul Scharner, der im Frühjahr nach England zu Wigan verliehen war. Der Österreicher wird als möglicher Abgang gehandelt.

"Ich werde den Kampf annehmen, will mich hier durchsetzen. Wenn meine Chance kommt, werde ich es hoffentlich besser machen als beim letzten Mal", sagte er zuletzt der "Hamburger Morgenpost". Scharner hat beim HSV noch einen Vertrag bis 2014.

Jarchow: "Kader verschlanken"

Im SID-Gespräch wollte Jarchow den Begriff "Transferstopp" nicht stehen lassen, bestätigte aber, dass es in diese Richtung gehe. "Wir wollen den Kader verschlanken, uns punktuell verstärken und das Budget senken", erklärte er. "Das heißt auch, dass wir jetzt nicht erst mal fünf Spieler kaufen, ohne zu verkaufen. Das geht Hand in Hand."

Gegen die Ausleihe des 26-jährigen Innenverteidigers Johan Djourou vom FC Arsenal um "nur" 800.000 Euro soll es im Aufsichtsrat erheblichen Widerstand gegeben haben. "Wir fahren voll gegen die Wand", wurde ein Gremiumsmitglied zitiert. "Da hat ein Aufsichtsrat aus egoistischen Hintergründen den Weg an die Presse gesucht", sagte Jarchow dazu.

Verlustreiche Jahre

Schon in den vergangenen beiden Jahren hatte der Klub jeweils einen kräftigen Verlust verzeichnet. In der Saison 2010/11 lag das Defizit bei 4,9 Millionen Euro, 2011/12 bei 6,6 Millionen Euro. Der Gehaltsetat soll von 48 Millionen Euro auf unter 40 Millionen gesenkt werden.

Dafür muss Kreuzer aber Spieler wie Marcus Berg, Gojko Kacar, Robert Tesche, Paul Scharner, Michael Mancienne oder Slobodan Rajkovic verkaufen. Allerdings gestaltet sich das sehr schwierig - die Spieler besitzen teils hoch dotierte Verträge und würden im Fall eines Wechsels deutlich weniger verdienen. Deshalb ist zuletzt auch die geplante Verpflichtung des Dortmunder Abwehrspielers Lasse Sobiech ins Stocken geraten.

Zudem soll der HSV von der Zehn-Millionen-Euro-Ablöse für Angreifer Heung-Min Son, der zu Bayer Leverkusen wechselte, nur 7,5 Millionen Euro kassieren. Der Rest geht an Sons Berater und den Südkoreaner selbst. "Das war im Vertrag so vereinbart", sagte Jarchow.

Absage von Santa Cruz

Roque Santa Cruz, derzeit beim FC Málaga engagiert, hatte dem HSV erst am Dienstag einen Korb gegeben. "Sein Berater hat sich bei uns gemeldet und uns abgesagt", sagte Kreuzer der "Hamburger Morgenpost". "Roque wäre sehr gern gekommen, aber seine Frau wollte aus sehr speziellen privaten Gründen nicht nach Hamburg. Das ist sehr schade, weil Roque sehr gut zu uns gepasst hätte, aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren."

Bisher stehen nur Verteidiger Djourou und der 21-jährige Stürmer Jacques Zoua vom FC Basel als Neuzugänge fest. Weitere sind von Trainer Thorsten Fink selbstverständlich gewünscht: Hohe Ziele, wenig Geld, das würde extrem anspruchsvoll. (sid/red, derStandard.at, 3.7.2013)

  • Ein Bild aus besseren Tagen: Oliver Kreuzer, Aufsichtsratschef Manfred Ertel (li.) und Vorstandsvorsitzender Carl Edgar Jarchow (re.) ließen vor einem Monat noch die Lachmuskeln spielen.
    foto: epa/christian charisius

    Ein Bild aus besseren Tagen: Oliver Kreuzer, Aufsichtsratschef Manfred Ertel (li.) und Vorstandsvorsitzender Carl Edgar Jarchow (re.) ließen vor einem Monat noch die Lachmuskeln spielen.

  • Kreuzer muss den Kader ausmisten.
    foto: epa/christian charisius

    Kreuzer muss den Kader ausmisten.

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