Bosnisch-serbischer Ex-Parlamentschef kommt frei

    3. Juli 2013, 11:25
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    Hinterbliebene von Srebrenica-Opfern über Entscheidung des UNO-Tribunals empört

    Den Haag/Sarajevo - Der wegen Kriegsverbrechen verurteilte Momcilo Krajisnik, einer der engsten Mitarbeiter des wegen Völkermordes angeklagten bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic, kommt in knapp zwei Monaten frei. Per Beschluss des Präsidenten des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien (ICTY), Theodor Meron, wird Krajisnik, der während des Bosnien-Krieges (1992-95) bosnisch-serbischer Parlamentspräsident war, am 1. September vorzeitig aus einem britischen Gefängnis entlassen.

    Zwei Drittel der Haft verbüßt

    Die Freilassung des 68-jährigen Krajisnik wird entsprechend den Tribunalsregeln erfolgen, nachdem er zwei Drittel seiner Haftstrafe abgebüßt hat. Der frühere bosnisch-serbische Politiker wurde im Jahr 2000 festgenommen und befindet sich seitdem in Haft. Im Jahr 2009 wurde er vom UNO-Tribunal rechtskräftig zu 20 Jahren Haft verurteilt.

    Krajisnik habe das Tribunalsurteil und seine Verantwortung für die gewaltsame Umsiedlung der nichtserbischen Bevölkerung aus dem Gebiet der bosnischen Serben-Republik akzeptiert. Er habe auch den Wunsch geäußert, zur Versöhnung unter den Völkern Bosniens beizutragen, erklärte Meron in einer Aussendung.

    Empörung bei Srebrenica-Opfern

    Die Entscheidung löste Empörung unter den Familienangehörigen der bosniakischen (muslimischen) Kriegsopfer aus. "Dies ist ein Gericht gegen die Muslime", erklärte Munira Subasic, Leiterin des Verbandes "Mütter von Srebrenica".

    Bosnisch-serbischen Truppen hatten nach Einnahme der UNO-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995 rund 8.000 bosniakische Männer und Burschen vor den Augen niederländischer UNO-Soldaten selektiert und in der Umgebung der Stadt brutal ermordet. Es wird weiterhin nach den Leichen vieler Opfer des Massakers gesucht.

    Krajisnik selbst hatte sich im Unterschied zu Karadzic und dessen Militärchef Ratko Mladic vor dem Haager Gericht nicht auch für dieses Massaker zu verantworten. Den ehemaligen Präsidenten des bosnisch-serbischen Parlaments verband mit Karadzic eine langjährige Freundschaft. In den 80er Jahren hatten sich beide auch in einem gemeinsamen Prozess in Sarajevo wegen Finanzmachenschaften zu verantworten.

    Vor dem UNO-Tribunal laufen weiterhin die Prozesse gegen Karadzic und Mladic wegen Völkermordes in Srebrenica und wegen anderer Kriegsverbrechen. Beiden droht eine lebenslange Haftstrafe. (APA, 3.7.2013)

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